Seite - 221 - in Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Bild der Seite - 221 -
Text der Seite - 221 -
Konflikte aus zionistischer Perspektive 221
MassivkritisiertwurdenauchdieVerbändemitArierparagrafen, vorallem
derAlpenvereinundderSkiverband,obwohlgeradeZweitererdochnur„durch
jüdischeLeistungengroßgeworden“ sei.167 Ziel derAngriffewarenprimärdie
„Konvertiten“, denen eine antisemitische Allianz mit den „Hakenkreuzlern“
nachgesagtwurde. Speziell kritisiert wurdender KonvertitMartinHaudek so-
wie der (nichtjüdische) Gustav Klein-Doppler, der Präsident des Allgemeinen
Skiverbandes. Indemsie sich aus allenDiskussionenumdenArierparagrafen
heraushielten, hätten sie sich als „Antisemit[en]“ deklariert.168 Aber auch die
konvertiertenFunktionärederViennawurdenangegriffen,allenvoranAlexan-
derNeumann,der sich immerwieder „ingehäßigsterWeise“überdieHakoah
geäußert habe. Doch die Hakoahwerde es nicht verabsäumen, dem „Juden-
xandl‘,wie ihndieChristlichsozialennannten“,das„Handwerk [zu] legen“.169
Einweiteres Feindbildwar der Präsident des Schwimmverbandes, Felix Graf,
denn „[u]nserem jüdischen Sport hat dieser Täuflingwie gar nicht anders zu
erwarten immer eineoffeneGegnerschaft bekundet“.170
Ebensowarendie „Assimilanten“unterdenSportjournalistenhäufigZiele
der Pressekritik. Grundsätzlich bemerkten die zionistischen Medien,171 dass
„der Großteil der österreichischen Fachpresse dem jüdischen Sport im allge-
meinennichtgünstiggesinnt ist“.Solassedie„ZusammensetzungderRedakti-
on desWiener Sport-Tagblattes‘“, die mehrheitlich aus in zionistischer Sicht
„assimilierten“ Journalisten bestand, „ihre Haltung gegenüber der jüdischen
Sportbewegungbegreiflich erscheinen“.172 Das populäre Blatt, herausgegeben
vomjüdischenHerausgeber (undWAF-Funktionär)LeoGorlitz, zogständigpo-
lemische Angriffe (oder Gegenangriffe) auf sich. „Herr Ing. Leo Gorlitz wird
wohl zugestehen, daß dieHakoah sportliche Erfolge aus nationalenGründen
anstrebendarf,oder isterderMeinung,daßes fürdas Judentumgenügt,wenn
er als Herausgeber einer Sportzeitung fungiert?“173 Journalistisches Feindbild
war allen voran der „Assimilant“ Erwin Müller. Ähnlich argumentierte man
gegenüber demMontag mit dem Sportmontag und dessen Herausgeber Paul
Kolisch, der derHakoah„Judenwirtschaft“und„Sauwirtschaft“unterstelle.174
DieKritikanderHakoahwurdemeist alsFolgeeiner „Pressehetze“darge-
stellt: „jüdische Assimilanten“ würden sich „von ihren Redaktionen aus das
167 DieStimme. JüdischeZeitung (21. 2. 1928) 15.
168 DieNeueWelt (25. 11. 1927) 10.
169WienerMorgenzeitung (1. 4. 1926) 9.
170WienerMorgenzeitung (20. 1. 1919) 4.
171 Hecht, Jüdischnational-ZionistischeParteizeitungen.
172WienerMorgenzeitung (10. 1. 1922) 6.
173 B. [vermutlichFritzBaar], EineAbrechnung. In:WienerMorgenzeitung (20. 6. 1920) 7.
174WienerMorgenzeitung (21. 10. 1924) 7.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918