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Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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230 8 Konflikte andermassenwirksamen Inszenierunghatten,wurdeweder inderTagespres- senochinzionistischenMedienerwähnt.DasVorstandsmitglieddesHauptver- bandes fürKörpersport Edgar Friedwar bestimmtworden, die österreichische EtappedesFackellaufs zuorganisieren,ÖOC-PräsidentTheodorSchmidt sollte amHeldenplatz dieHauptrede halten. Zudemübernahmer die Fackel an der Staatsgrenze bei Kittsee und lief den ersten Kilometer,214 während Fried die letzten Meter auf österreichischem Boden absolvierte. InWien hielt Schmidt die Festansprache,215 als Teile der Zuhörerschaft bereits nationalsozialistische SprechchöreanstimmtenunddieRegierungbeschimpften.WährendSportfüh- rerStarhembergdenHeldenplatz fluchtartigverließunddieRadioübertragung abgebrochen wurde,216 musste Schmidt in der aufgeladenen Atmosphäre die Vereidigung der AthletInnen vornehmen.217 In Berlin selbst waren allerdings weder Fried noch Schmidt, der 1932 und auch bei denWinterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen die österreichischen Delegationen geleitet hatte, als Vertreter der Turn- undSportfront engagiert. Dass ihmdieDelegationsleitung fürBerlinaufGeheiß„national eingestellter“FunktionäreundPolitiker entzo- gen worden war, ist lediglich eine Vermutung.218 Jedenfalls weilte Schmidt dennoch inBerlin, hielt AnsprachenundverliehEhrenpreise. Bei einemanderenMitglied der österreichischenDelegation, ErwinGuido Fadenhecht, zeigt sich, wie schnell derartige Vermutungen in die Irre führen können: FadenhechtwarDelegationsleiter der österreichischenFußballmann- schaft beidenOlympischenSpielenvonBerlin 1936, tauchteaber–andersals andereFunktionäre– inderBerichterstattungkaumauf.Dashatteabernichts damit zu tun, dass er – zumindest nach nationalsozialistischer Definition – Judewar, sondernmiteinemtragischenfamiliärenEreignis:FadenhechtsFrau erkrankte schwer, er kehrte deshalb bald nach Beginn der Spiele nachWien zurück.219 214 Das interessanteBlatt (6.8.​ 1936) 2. 215 MatthiasMarschik, „DerHerrKommerzialrat“. TheodorSchmidtundRudolfKlein. Sport- räumealsOrte jüdischer Selbstvergewisserung inderErstenRepublik. In:WienerGeschichts- blätter 71,H. 4 (2016) 299–324. 216 KurtBauer,Das Feuer amRing, online unter http://www.kurt-bauer-geschichte.at/PDF_ Texte%20&%20Themen/Olympiafeier_1936_Wien.pdf (12. Februar 2016). 217 Sport-Tagblatt (30.7.​ 1936) 2. 218 ErwinRoth (Red.),OlympischeMomentaufnahmen. 1894–2008 (Wien 2008) 80. 219 Sport-Tagblatt (5.8.​ 1936) 5. Fadenhechts Frau starb kurz nach seiner Rückkehr. Faden- hecht war 1936 nicht nach seinemGlaubensbekenntnis, aber nach denNürnberger Gesetzen Jude.Er konvertierte 1930zumKatholizismus, sieheWienerStadt- undLandesarchiv,Bestand 2.5.1.4–BPDWien:HistorischeMeldeunterlagen (ca. 1880)–1904–1976,Meldezettel 23.9. 1929, mosaisch;Meldzettel vom27.8. 1936: r.k.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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