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Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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Familiäre Netzwerke 235 FamiliäreNetzwerke IndenStrukturendesorganisiertenSportskamenzumeinenbereitsbestehen- deVerbindungen auf der Basis familiärer, beruflicher oder freundschaftlicher NetzwerkezumTragen, zumanderenbildetenseinegemeinschaftlichenStruk- turen (unter Aktivenwie unter FunktionärInnen) neue Beziehungen aus. Als besonders gut vernetzt galt der Fußballfunktionär Hugo Meisl.10 An seinem Beispiel undandemeinigerPersonenaus seinemUmfeld lassensichparadig- matisch wesentliche Aspekte von Sportnetzwerken aufzeigen. Seinen Eltern sollMeisl als JugendlicherSorgenbereitethaben,weil er sichweniger für eine bürgerliche berufliche Laufbahn, sondern in erster Linie für denFußballsport interessierte.11 Dieser Widerspruch zwischen Sport und beruflicher Laufbahn warwohlkeineSeltenheit, deshalbunterschiedensichdieNetzwerke imSport (zumindest bei den um 1890 aufkommendenmodernen englischen „Sports“) von den stark durch familiäre Bindungen undBeziehungen geprägten klassi- schenbürgerlichenNetzwerken jüdischerFamilien imWienum1900.Generell triffthieralsozu,wasEdwardSaiddenBedeutungsgewinn„horizontaler“kul- tureller Identifikationengegenüber„vertikalen“Identitätennannte:„filiation“, dieBindunganGeburt,NationundBeruf, verlor im frühen20. Jahrhundert im Vergleich zu „affiliation“, d.h. „social andpolitical conviction, economic and historical circumstances,voluntaryeffortandwilleddetermination“anBedeu- tung.12 Die Beteiligung anden säkularenEnglish Sportsbedeutete für religiös ge- prägteWiener Juden oft die Emanzipation von ihremElternhaus. Ein Beispiel ist der spätere Sportjournalist Maximilian Reich, der als Gymnasiast um die JahrhundertwendevonderFußball-Leidenschaft infiziertwurdeundwieHugo Meisl unter anderembeidenCricketern spielte.13Als Sohneiner traditionellen Rabbinerfamilie entschied er sich gegen die vorgezeichnete religiös geprägte Biografie, heiratete später eine Christin und galt als „schwarzes Schaf der Familie“.14 Die Begeisterung für den Sportmit eventueller Tätigkeit als Sport- funktionär ging in dieser Generationnochnicht vondenEltern auf den Sohn 10 Zu seiner Biografie vgl. AndreasHafer, WolfgangHafer, HugoMeisl oder: Die Erfindung desmodernenFußballs (Göttingen 2007). 11 RobertFranta,WolfgangWeisgram, Ein rundes Leben.HugoMeisl –Goldgräber des Fuß- balls (Wien 2005) 37. 12 Silverman, Transformation, 13f. 13 Georg Spitaler, DerWeg desMaximilian Reich. Fußball untermHakenkreuz 25. Teil: Der späteRuhmdes frühenAufdeckers. In: ballesterer 54 (2010) 48f. 14 So seineTochterHenrietteMandl, in:Spitaler,Weg, 48.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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