Seite - 237 - in Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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Familiäre Netzwerke 237
mannbei derHakoah,17 Fritz undAdolfWolfensohnbei der Kadimah,18 Alois
und Blanka Grünwald sowie Ernst und Fritz Markstein bei der Hasmonea.19
OttoundRobertGlücksmann,beide inderSchwimmsektionderHakoahaktiv,
warendie ErbenderKartonagenfabrik undDruckerei Glücksmann&Söhne.20
DieBrüderAlbertundFritzSchapira, inden1920er-JahrenerfolgreicheSkiläu-
fer,wurdenbeideFunktionärederHakoah-Skisektion.21
EinanderesBeispiel: JuliusDeutschwaralsASKÖ-Vorsitzender indenJah-
ren1926bis1934eineder führendenFigurenderArbeitersportbewegung.Doch
auchseinedamaligeLebensgefährtinMarieDeutsch-Kramerengagiertesich im
Sport. Neben ihren politischen Ämtern22 saß sie im Vorstand des ASKÖ und
konzipierte auch den Entwurf der Maifestspiele 1932. Familienbeziehungen
existierten aber auch im bürgerlichen Sport: So waren die Brüder Otto und
Paul Relly Vorstandsmitglieder desWiener Athletiksport-Club (WAC), ebenso
wieOttosFrauLislRelly, dieAnfangder 1920er-JahredieDamentennissektion
des Klubs leitete. Otto Relly arbeitete in der Firma Josef & Eduard Schulhof,
an der sein Schwiegervater mitbeteiligt war. Paul Rellys spätere Gattin Mina
(Wilhelmine)war zwar nicht selbst Funktionärin, aber dafür begeisterte Alpi-
nistin und die Schwester von Paul Rellys langjährigem Kletterpartner Paul
Preuss. Der Manager des FK Austria, Robert Lang, heiratete im August 1937
wiederum IreneUlbrich, die Schwester des – nichtjüdischen –Austria-Sekre-
tärs EgonUlbrich.23 Über EhenundPartnerschaftenwaren also auch Frauen,
die als Funktionärinnendie großeAusnahmedarstellten, inNetzwerke integ-
riert.
Doch kehren wir zurück zur paradigmatischen Biografie HugoMeisls, in
der solche Beziehungen ebenfalls deutlich werden. Mit seiner Heirat scheint
Meisl–ebensowieMaximilianReich–dieVorstellungenseinerEltern inpunk-
to familiärer jüdischerNetzwerkedurchbrochenzuhaben.Undauchbei seiner
VerehelichungspieltenKontakteausdemSporteinezentraleRolle.Meisls spä-
17 BPD,VereinsaktSCHakoah;WienerStadt-undLandesarchiv, 1.3.2.119.A32–GelöschteVer-
eine6381/28FußballklubHakoah.
18 ÖStaAdRBKABKAIBPDionWienVBSig.XV5601, JüdischerSportundGeselligkeitsklub
„Kadimah“.
19 ÖStA,AdRBKABKA-IBPDionWienVBSignaturXV6315, Sportklub „Hasmonea“.
20 BPD,VereinsaktHakoah;Wiener Stadt- undLandesarchiv, Serie 2.3.3.B76–Handelsregis-
terA | 1906–1938, Einzelstück 2.3.3.B76.36.45–A36/45 | 1.Hälfte 20. Jh.
21 Körner, Lexikon, 182.
22 SiehedazuRaimundLöw,ArbeiterbewegungundZeitgeschichte imBild1867–1938.Fotobe-
ständeWienerArchiveundBibliotheken (Wien 1986) 352.
23WienerStadt- undLandesarchiv, Serie 1.3.2.208.A.36,Opferfürsorgeakten–Entschädigun-
gen,OF-Akt IreneSimon.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918