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Das Kaffeehaus – der prototypische Ort der Vernetzung 249
Deutsch,der vor allem inderPartei gut vernetztwar.65Generell zeigte sich im
Arbeitersport eine starkeÜberschneidung vonPartei- undVereinsämtern. Ein
prägnantesBeispiel botdieArbeiter-Olympiade 1931, beidernebendenArbei-
tersportfunktionärenauchviele führendePersonenderPartei,vonderGesund-
heitspolitik bis zur künstlerischen und strategischen Elite, eingebunden wa-
ren.66
DasKaffeehaus–derprototypischeOrt
derVernetzung
Wenn vomWien der Zwischenkriegszeit die Rede ist, gilt das Kaffeehaus als
paradigmatischerOrtderVernetzung–geradeauch imSport.67DerSchriftstel-
lerFriedrichTorberg, selbstSportlerbeiHagibor inPragundVereinsanhänger,
zunächstderHakoah,nach1945dannderAustria, sahdasKaffeehauszwarals
„KristallisationskernvonLegendenbildungen“, arbeiteteaber selbst andessen
Mythologisierung mit.68 Dennoch: Der Realität entsprach es wohl, dass fast
jeder Sportverein sein innerstädtisches Stammkaffeehaus, sein Vorstadtcafé
oder seinWirtshaus in unmittelbarer Nähe zumSportplatz hatte, in demVor-
standsmitgliederundSpieler verkehrten, aufAnhängerInnen trafen,diskutier-
ten und in dem Feiern, Jubiläen oder gesellige Veranstaltungen abgehalten
wurden. Als die Hakoah im Jahr 1925 ihr Sekretariat von der Schiffamtsgasse
in das Café Altes Rathaus verlegte, wurden die Räumlichkeiten zugleich als
neuesVereinslokalpräsentiert undeshieß: „Wir erwarten,daßsichalleHako-
ahner imneuenKlubcafeeinfindenwerden.“69EineVernetzungzwischendem
Vorstand, den SportlerInnen, den sonstigen Mitgliedern und wohl auch den
AnhängerInnenwar alsodezidiert erwünscht.
Das Kaffeehauswurde als typischwienerische Institution angesehen, der
spezifische lokaleEigenheitenzugeschriebenwurden,dochzugleichwarenge-
65 Zu JuliusDeutsch sieheKapitel 8.
66 MatthiasMarschik, Wien als Olympiastadt. Die Arbeiterspiele von 1931. In: Wiener Ge-
schichtsblätter 69,H. 1 (2014) 27–44.
67WolfgangMaderthaner, Vonder Zeit um1860bis zum Jahr 1945. In: PeterCsendes, Ferdi-
nandOpll (Hg.), Wien. Geschichte einer Stadt. Band 3: Von 1790 bis zur Gegenwart (Wien/
Köln/Weimar 2006) 175–544, hier 402.
68 LutzMusner,DerGeschmackvonWien.KulturundHabituseinerStadt (Frankfurt/M.2009)
110f.
69WienerMorgenzeitung (15.8. 1925) 13.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918