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radedasCity-KaffeehausundseineKultur jüdischkonnotiert.70 Soschriebdas
Sport-Tagblatt, dass in den Stadien immerwieder der alteWitz zu hörenwar,
„einHakoah-AnhängergehöreebeninsKaffeehaus“.71DochauchdieDifferenz
zwischen den angeblich bodenständigen Vorstadtvereinen und den noblen
und finanzstarken City-Clubs wurde am Kaffeehaus festgemacht, da Letztere
eben in den Cafés der Innenstadt ihrenVereinssitz und ihre Sekretariate hat-
ten. Vorstadt- wie Citykaffeehaus wurden mit intensiven Diskussionen über
Sport verbunden,wobei Ersteresmit unverblümter undvielleicht etwas zudi-
rekterPolemik, Zweiteres zwarmit tiefgründigerer–hochkultureller–Reflexi-
on, aber eben auch mit Bohème, Nachtleben, Spekulation, Glücksspiel und
Kapitalismusverbundenwurde.72NichtohnediesezeitgenössischeDichotomie
zuduplizieren, schreibtWolfgangMaderthaner:
„Ebensowie die Vorstadt bezeichnet das Kaffeehaus, als sozialer Ort undMetapher zu-
gleich, jenes kulturelle Umfeld, aus demder Fußball der zwanziger und dreißiger Jahre
erwächst. InWien,woLiteratur,Musik,PhilosophieundGeschäft ihreHeimstätte imCafé
hatten,speistesich ‚dasSpiel‘ebennichtnurausQuellenderPopular-undMassenkultur,
sondernwar auchmit ElementenderBohèmeundderKaffeehauskultur durchsetzt.“73
Gerade von HugoMeisl existieren viele Geschichten, die beschreiben, wie er
dasRing-CaféalszentralenOrtseiner (Netzwerks-)Arbeitnutzte. ImKaffeehaus
liefenauchdiebeidenLinienvonMeisl als Sportorganisator undSportjourna-
list zusammen.74 Sein Schreibtisch beimÖFBwar die formelle Zentrale, aber
zugleich wird berichtet, dass ÖFB-Präsident Richard Eberstaller und WFV-
Präsident Josef GeröwieHugoMeisl in den frühen 1930er-JahrenStammgäste
im Ring-Café waren. Legendär wurden auch die Beziehungen, die im Kaffee-
haus zwischen Sportverwaltung und Sportjournalismus gepflegt wurden. Be-
rühmtwaren etwa die Préferénce-Partien zwischen Richard Eberstaller, Meisl
undErwinMüller,RedakteurdesSport-Tagblattes. IndiesenKartenpartiensoll
auchdas„Schmieranski-Team“,alsodieaufderBasisvonjournalistischenEin-
70 Katja Sindemann, Nicht daheim und doch nicht an der frischen Luft. In: Nu. Jüdisches
Magazin fürPolitikundKultur3 (2008),onlineunterhttp://nunu.at/article/nicht-daheim-und-
doch-nicht-an-der-frischen-luft/ (26.März 2017).
71 Sport-Tagblatt (27. 10. 1936) 2.
72 Horak,Maderthaner, Spiel, 126f.
73WolfgangMaderthaner, Ein Dokumentwienerischen Schönheitssinnes. Matthias Sindelar
unddasWunderteam. In:Beiträge zurhistorischenSozialkunde 22/3 (1992) 87–90,hier 88.
74 AndreasHafer,WolfgangHafer,Bundeskapitänund„undesprinicpaux journalistes sport-
ifs“HugoMeisl (1881–1937). In:MatthiasMarschik, RudolfMüllner (Hg.), „Sind’s froh,dassSie
zuHausegeblieben sind“.MediatisierungdesSports inÖsterreich (Göttingen 2010) 199–208.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918