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GemeinsameReisen
Bei Gastspielreisen undTourneen zeigen sichnicht nur die dafür notwendigen
internationalenNetzwerke,vielmehr lassensichanhanddermitreisendenFunk-
tionäre auch Rückschlüsse auf interne Vernetzungen innerhalb des Wiener
und österreichischen Sportgeschehens ziehen. Josef Gerö alsWiener Fußball-
Verbandspräsident, Rudolf Brichta als Präsident der Admira (er fungierte erst
später alsTeamarzt) oderEmanuelSchwarzalsPräsidentderAustriabegleite-
ten häufig die österreichische Fußball-Nationalmannschaft auf Auslandsrei-
sen.Gleichesgilt fürRobertLang,dersowohlalsTrainervonWackerWienund
Simmeringwie später in seiner Zeit alsManagerderAustria als Teambegleiter
fungierte.
Richard Eberstaller und Gerö begleiteten oft die Nationalmannschaft zu
Auswärtsspielen, das gilt auch für internationale Konferenzen, etwa zumMit-
ropacupoderwennesdarumging,ausländischeDelegationeninWienzuemp-
fangen. Ab den späten 1920er-Jahrenwar auch der frühere Admira-Präsident
undnunmehrigeÖFB-FunktionärRudolfMützdabei,etwainBologna1927und
Budapest 1931.77 Zum FIFA-Kongress 1931 in Berlin fuhren Eberstaller, Meisl
undSchwarz.78 Esdeutet viel darauf hin, dass dieseMänner indenbetreffen-
den Jahren imZentrumdesWiener Fußballnetzwerkes standen.
Anlass für guteKontakte unddie potenzielle Ausbildung vonNetzwerken
waren aber auch die Empfänge für Wiener Teams oder die Nationalmann-
schaft, wenn diese erfolgreich aus der Fremde heimkehrten, oder umgekehrt
fürausländischeVereineoderAuswahlen,wennsieWienbesuchten.DieMedi-
enberichtemachendeutlich,dasssichdazukeineswegsnurdieFußballfunkti-
onäre einfanden, sondern eine bunteMischung aus Honoratioren aus Politik
undKunst,WirtschaftundSport.SchonbeiderRückkehrderHakoahausLon-
donvomveritablen5:0beiWesthamimJahr 1923warennebenVertreterndes
ÖFB und desWiener Verbandes auch Politiker, Künstler und Delegierte von
fast allen Erstligavereinen zugegen. Und als das Nationalteam im Dezember
1932 vom 3:4 aus London zurückkehrte, wurde amPerron in Erwartung des
Ansturmes einVIP-Bereichabgetrennt:
„DerPräsidentdesOlympischenKomiteesDr. Schmidt stelltedemBundeskanzlerdieAn-
wesendenvor, inzwischen fandensichauchGeneraldirektorSehfehlner vondenBundes-
bahnen,Vizekanzler IngenieurWinkler, [Polizei-Vizepräsident]Hofrat Skubl, Sektionsrat
Preiß, LegationsratDr.Wimmer vonder österreichischenGesandtschaft in London, Poli-
77 Vgl. Sport-Tagblatt (4. 11. 1927) 2; Reichspost (29.9. 1931) 12.
78 Hafer,Hafer,Meisl, 97.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918