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Netzwerke post mortem 259
Deshalbwandte sichMariaMeisl an Ivo Schricker, Generalsekretär der FIFA.
Sie schilderte ausführlich ihre finanzielle Lage und den von Gerö entwickel-
tenPlan, für die FamilieMeisl einHaus zukaufen.97 Die notwendige Summe
sollte–nebendemRestbestandvonHugoMeislsLebensversicherung–durch
fix zugesagteSpendenderFIFAunddernationalenFußballverbände Italiens,
der Tschechoslowakei sowie prinzipielle Zusagen Jugoslawiens undRumäni-
ens aufgebracht werden. Die politische Lage habe allerdings auch Probleme
verursacht, wie Maria Meisl euphemistisch – Gerö war zu diesem Zeitpunkt
imKZ – formulierte: „Dr. Gerö kannmir in dieser Angelegenheit nichtmehr
helfen, er hat seine eigenen Sorgen. Dr. Eberstaller hat nichts mehr zu re-
den.“98 Zwarwurde esmitHaus undGeschäft nichts, erfolgloswar der Brief
trotzdem nicht: Am 22. September 1939 schrieb Schricker an Maria Meisl,
„dass natürlich die gewährte Unterstützungwie bisher weiterlaufenwird“.99
Doch auchMeisls – jüdische –Geliebte, Emilie (Emmy) Schossberger, hoffte
überMeisls Todhinaus auf dessenKontakte.100
Netzwerkepostmortem
DassMeisl seine Beziehungenüber seinen Todhinauswirksam sah, zeigt ein
Blick auf dessen engstesNetzwerk, das in seinemTestament vom21. Septem-
ber 1934 indiePflichtgenommenwird.Darinbestellte erbis zurVolljährigkeit
seinerKinder„denHerrnOberlandesgerichtsratDr.RichardEberstaller,Staats-
anwaltDr. JosefGeröundRedakteurOttoHoworka“alsVerwalter.101 Eberstal-
lerundGeröwarenalsPräsidentendesÖFBbzw.WFVbekanntePersonenaus
Meisls unmittelbarer beruflicherUmgebung. Der Journalist OttoHoworkawar
Redakteur der regierungsnahen Reichspost und auch bei den Olympischen
Spielen von Berlin 1936 Sonderberichterstatter des Blattes.102 Inwieweit die
WahldieserdreiMännernurdenengenpersönlichenBeziehungengeschuldet
97WStLA,NachlassMeisl, Briefentwurf „Sehr geehrterHerrDoktor“.
98WStLA,NachlassMeisl, Briefentwurf „Sehr geehrterHerrDoktor“.
99WStLA, Nachlass Meisl, Brief Dr. jur. J. Schricker, Generalsekretär der F.I.F.A., an Frau
[Maria]Meisl, 22.9. 1939.
100 Hafer, Hafer, Meisl, 102f.; University of Nebraska Press, Remembering Emily Maria
Schossberger. Abrufbar unter: https://unpblog.com/2016/04/18/remembering-emily-maria-
schossberger/ (23.März 2017).
101WStLA,Einzelstück2.3.1.1a.A9.116/1937–HugoMeisl 21.9. 1934,2.3. 1937{kundgemacht},
1.2 TestamentHugoMeisl.
102 Vgl.Urbanek, Deutschland-Komplex, 166.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918