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Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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262 9 (Sport-)Netzwerke näre–auch jeneausdemsozialdemokratischenLager–weitgehendzutrafen. Die Grenzen zwischen den Netzwerken verliefen zumindest im Fußball nicht immer entlang von Vereinspräferenzen, aber auch kaum entlang der Grenze jüdisch/nichtjüdisch. Entscheidender erwies sich etwa die Unterscheidung zwischenArbeitersport undbürgerlichemSport,wobei geradeHugoMeisl da- für bekanntwar, trotz seiner klaren Zuwendung zum„bürgerlichen“ Sportge- schehen stetsmit beiden Lagern ein gutes Auskommen zu finden. ImGegen- satzzumGeschehenimFußball spieltennichtjüdische,zumTeilauchdezidiert antisemitische Netzwerke in anderen Sportarten (etwa Alpinismus, Skilauf, Turnen,Rudern,Radfahren)eineweitgrößereRolle.SiebildetenzumTeilwie- derumauch dieMotivation für die Bildung expliziter jüdischer Netzwerke im Sport,wennArierparagrafenoder impliziteAusschlussmechanismeneineTeil- habevon Judenund Jüdinnenerschwertenoder verunmöglichten. Gerade inSportvereinenmit geringenZugangsschrankenengagierten sich hingegen–wie indersozialdemokratischenArbeiterInnenbewegung–seitder JahrhundertwendeüberdurchschnittlichvieleWiener Juden (undeinige Jüdin- nen). Das gilt auf der Ebene der Aktiven, aber nicht zuletzt auch für jene der FunktionärInnen. In diesem Sinn können Sportvereine und -verbände durch- aus als Teil jener widersprüchlichen, impliziten und vielschichtigen „Jewish social networks“110 verstanden werden, die sich als soziale und politische Emanzipationsbewegungen rund um Fragen jüdischer Differenz organisier- ten.111 BiszumMärz1938arbeiteten JudenundNichtjuden inrelativvielenSport- vereinen und Verbänden eng zusammen, es gab bis zum „Anschluss“ recht stabile Netzwerke, in denen Juden und Nichtjuden gleichermaßen vertreten waren. EinBeispiel dafür ist das „Zehnerkomitee“ imFußballverband, das im Februar 1938 installiertwurde, umdie TeilnahmeÖsterreichs ander Fußball- Weltmeisterschaft in Frankreich vorzubereiten. Es setzte sich zusammen aus RichardEberstaller, JosefGerö, JosefSchindler, LeoSchidrowitz,DionysSchö- necker, Otto Pöschl, Josef Liegl, Robert Lang, Arthur Kolisch und Luigi Huss- ak.112 DasKomiteewar also paritätisch ausNichtjudenundFunktionären, die als Judenoder inNS-Diktionals „Mischlinge“galten, gebildetworden. Nachdem„Anschluss“wurden die jüdischen Funktionäre aus derUmge- bung Eberstallers radikal entfernt: Zur Begrüßung der deutschen National- 110 Silverman, Transformation, 12. 111WolfgangMaderthaner, LisaSilverman, „WienerKreise“. Jewishness,Politics, andCulture in Interwar Vienna. In: DeborahHolmes, Lisa Silverman (Hg.), Interwar Vienna. Culture be- tweenTraditionandModernity (Rochester 2009) 59–80,hier 72. 112 Fußball-Sonntag (20.2.​ 1938) 3.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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