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Jüdinnenfühlten,mitdemJudentumidentifiziertenoderdieseReligion lebten,
bliebdabei unbeachtlich.4
Neben der sukzessiven bzw. stufenweisen Entrechtung der während der
NS-Zeit Verfolgten gab es im „Nebeneinander“ (Jagschitz) der erstenWochen
nach dem „Anschluss“ Verfolgungshandlungen und Vermögensverschiebun-
gen, die gesetzlich noch nicht geregelt waren und zum Teil erst retrospektiv
genehmigtwurden, aber für die verfolgtenPersonenundPersonengruppen ir-
reversible Fakten schufen.5 Sodominiertendie erstenTageundWochennach
dem12.März1938zunächst„wildeArisierungen“undVermögensbeschlagnah-
men, etwadurchdie Selbstinstallationvonvielfachparteinahen„kommissari-
schenVerwaltern“ in jüdischenBetriebenoderdurchdieGestapo,6 Judenund
Jüdinnenwurden(ebensowieanderepolitischeOpponenten)verhaftet, zudem
misshandelt und gedemütigt, Erniedrigungsrituale und spontaneGewalttätig-
keiten unter Beteiligung österreichischer Nationalsozialisten – darunter viel-
fach SA-Mannschaften7 – und der zivilen Bevölkerung fanden unkontrolliert
auf offener Straße statt.8 Die Entlassungen und Verhaftungen von mehr als
4 ZudenNürnbergerGesetzen imDetail vgl. Kapitel 3.
5 Gerhard Jagschitz,Vonder„Bewegung“zumApparat. ZurPhänomenologiederNSDAP1938
bis 1945. In:EmmerichTálos, ErnstHanisch,WolfgangNeugebauer,ReinhardSieder (Hg.),NS-
Herrschaft inÖsterreich. EinHandbuch (Wien 2000) 88–122, hier 92.
6 HansWitek, „Arisierungen“ in Wien. Aspekte nationalsozialistischer Enteignungspolitik
1938–1940. In:Tálos et al. (Hg.),NS-Herrschaft, 795–816; FritzWeber, DieArisierung inÖster-
reich.Grundzüge,Akteureund Institutionen. In:UlrikeFelber, PeterMelichar,MarkusPriller,
BertholdUnfried, FritzWeber (Hg.),ÖkonomiederArisierung. Teil 1:Grundzüge,Akteureund
Institutionen(VeröffentlichungenderÖsterreichischenHistorikerkommission10/1,Wien/Mün-
chen 2004) 40–165, insb. 65–81; JonnyMoser, DasUnwesen der kommissarischen Leiter. Ein
Teilaspekt der Arisierungsgeschichte inWien und im Burgenland. In: Helmut Konrad, Wolf-
gang Neugebauer (Hg.), Arbeiterbewegung – Faschismus – Nationalbewusstsein. Festschrift
zum 20jährigen Bestand des Dokumentationsarchivs des österreichischenWiderstandes und
zum60.Geburtstag vonHerbert Steiner (Wien 1983) 89–97.
7 GerhardBotz, Nationalsozialismus inWien.Machtübernahme,Herrschaftssicherung, Radi-
kalisierung 1938/39 [1978/2008]. In:Historical Social Research Supplement 28 (2016) 241–315,
hier 259;Moser, Unwesen, 89; JonnyMoser, Die Katastrophe der Juden in Österreich 1938–
1945. In:WolfgangPlat (Hg.),VollLebenundvollTod istdieseErde.BilderausderGeschichte
der jüdischenÖsterreicher (1190–1945) (Wien 1988) 225–260,hier 232ff.
8 HerbertRosenkranz, Verfolgung und Selbstbehauptung. Die Juden in Österreich 1938–1945
(Wien 1978) 20ff.; Karl Stuhlpfarrer, Judenfeindschaft und Judenverfolgung inÖsterreich seit
dem ErstenWeltkrieg. In: AnnaDrabek, WolfgangHäusler, Kurt Schubert, Karl Stuhlpfarrer,
NikolausVielmetti (Hg.), Das österreichische Judentum (Wien 1988) 141–236, hier 160ff., 172;
GerhardBotz, Stufen der Ausgliederung der Juden aus der Gesellschaft. Die österreichischen
Juden vom „Anschluss“ zum „Holocaust“. In: Zeitgeschichte 14 (1986) 359–378, hier 361f.;
Dokumentationsarchiv des österreichischenWiderstandes (Hg.), Widerstand und Verfolgung
inWien, Band 3 (Wien 21984) 194f., 202–211; HugoGold, Geschichte der Juden inWien. Ein
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918