Seite - 278 - in Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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278 10 Nach dem „Anschluss“
(D)ÖSTFals eigenerGauXVII-OstmarkdemDeutschenReichsbund fürLeibes-
übungeneingegliedertwerde.58
Damitwar jüdischerSport zwarnichtper se verbotenworden, aber erwar
aus dem organisierten Sportleben ausgeschlossen, dieWettkampfteilnahmen
von inMeisterschaften spielenden jüdischenVereinenwurden ebensowiede-
renErgebnisse innerhalbwenigerTagenachdem„Anschluss“annulliert.59Die
Exklusionvonaktiven jüdischenSportlerInnen,auchsolcher,dienicht jüdisch
geltendenVereinenangehörten, erfolgte ebensounmittelbar.Auchsiewurden
sofort ausdenKlubsund laufendenSportwettkämpfenausgeschlossen.60Dies
hatte zurFolge, dass einigeVereinewegendes soerlittenenMitgliederverlusts
einzelneSektionennichtmehr finanzierenkonnten.SoverkaufteetwaderAll-
roundSportklub imFolgejahrdieBeständeseinerTennissektionab,derenMit-
glieder vorrangig Judenund Jüdinnengewesenwaren.61
WichtigeSportfunktionärewieetwa JosefGerö,PräsidentdesWienerFuß-
ballverbandes,wurden imMärz 1938verhaftet.62Auch jüdischeSchiedsrichter
wurden ausgeschlossen.63 Nur wenige Tage nach dem „Anschluss“ galt der
Bereich des Sports in Österreich, auch der Sportjournalismus, als „judenfrei“
und entsprechende Zeitungsmeldungen dominierten die Berichterstattung:
„[D]aß von heute an kein Judemehr“ in seiner Redaktion tätig sei, teilte das
Sport-Tagblatt, das noch am 12. März über das nahende Schwimmfest des
SchwimmklubsHakoahberichtethatte, am15.Märzauf seinerTitelseitemit.64
58 DasKleineVolksblatt (14.3. 1938)11;BanaterDeutscheZeitung(16.3. 1938)2;HajoBernett,
DerWegdes Sports in die nationalsozialistischeDiktatur (Schorndorf 1983) 25f. Ab Juni 1939
auch: SportbereichOstmark.
59 NeuesWienerAbendblatt (14.3. 1938) 11; Sport-Tagblatt (14.3. 1938) 2.Vgl. dazuauchdas
Fallbeispiel SCHakoah imAnschluss.
60 Marschik, Sportdiktatur, 200ff., 281; JohnBunzl (Hg.),HoppaufHakoah. JüdischerSport in
Österreich.VondenAnfängenbis indieGegenwart (Wien1987) 127f.;Rosenkranz,Verfolgung,
149, sowieexemplarisch:DasKleineVolksblatt (14.3. 1938) 11; SalzburgerZeitung (28.5. 1938)
11.
61WStLA 1.3.2.119.A32, Zl. 1065/1922 (Wiener Allround Sportklub), Wiener Mittagsausgabe
NeuesWiener Tagblatt (16. 2. 1939) 7.
62 Vgl. https://www.doew.at/erinnern/fotos-und-dokumente/1938-1945/der-erste-dachau-trans
port-aus-wien-1-april-1938/geroe-josef-dr (Oktober 2017).
63 Alexander Juraske, „Reinemachen imWiener Fußballverband“. Fußball unterm Haken-
kreuz. 29. Teil: Die Schiedsrichter. In: ballesterer 69 (2012) 44f.;Arbeitersturm (18. 3. 1938) 12.
64 Keine Juden in der Redaktion des „Sport-Tagblattes“. In: Sport-Tagblatt (15.3. 1938) 1, so-
wie zu denMedien ausführlicher Kapitel 7. Vgl. weiter: Selbstwehr. Jüdisches Volksblatt 32/
11 (17.3. 1938) 8. Wiedergegeben in: Susanne Helene Betz, Von der Platzeröffnung bis zum
Platzverlust. Die Geschichte der HakoahWien und ihrer Sportanlage in der Krieau. In:Betz,
Löscher, Schölnberger (Hg.), „...mehr als ein Sportverein“, 150–184, hier 150; sowieMarschik,
Sportdiktatur, 105, 123, 200ff.;MatthiasMarschik, VomNutzenderUnterhaltung. DerWiener
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918