Seite - 285 - in Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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Jüdischer Sport nach dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich 285
1938verlautbartenGestapoundReichssportamtneueRichtlinien,denenzufol-
gedie jüdischenSportvereinedes „Altreichs“ zwangsweisedirektdemReichs-
ausschuss der jüdischen Sportverbände unterstellt und durch Satzungsverän-
derungenundEinheitsstatut ihrer Eigenständigkeit beraubtwerden sollten.106
DerSportbundSchild sollteaufgelöstwerden,derMakkabi-Kreiswegenseiner
Auswanderungshilfe und Kontakte zumMakkabi-Weltverband erhalten blei-
ben. AnfangNovember 1938 erreichte auch denMakkabiWien dieNachricht,
dass er demMakkabi-Kreis Deutschland beitreten solle, umdann direkt dem
Reichsausschussunterstellt zuwerden.107DurchdasNovemberpogromkames
nichtmehr zu diesen für 1939 geplanten Änderungen, die Zerstörungen jüdi-
scher Sportstätten und Verhaftungen bzw. Vertreibung der ansässigen Juden
und Jüdinnen führten dazu, dass Anfang 1939 im „Altreich“ jüdischer Sport
faktischnichtmehr existierte.108
MakkabiWienwurde schließlich imLaufedes Jahres 1940behördlichauf-
gelöst, bis 1942 auch alle weiteren jüdischen Organisationen.109 Für die in
Wien verbliebenen jüdischen SportlerInnen konnte der Verein in der Prater-
straße noch bis zumWinter 1941/42 einen geheimen Sportbetrieb unter Lola
Manzoni,einerehemaligenHakoah-KurzstreckenläuferinundSchachspielerin,
aufrechterhalten.110Manzoni selbstwurde imSeptember 1942mit ihrenEltern
ins Ghetto Theresienstadt deportiert; siewurde dort 1945 befreit und verstarb
1989 inWien. Ihr ältererBruderHans, einHakoah-Leichtathlet, Schachspieler
undFunktionärderHakoah-Schachsektion,überlebteebenfallsdenHolocaust
undverstarb 1983 inWien.111
106Wahlig, Abseits, 165.
107 ÖStA,AdR, ZNsZ, StikoWien,Karton 568, 31-N 14: Schreibenvom4.11. 1938.
108Wahlig,Abseits, 167.DerSportbundSchildwurdeausvereinsrechtlicherSichterst imFeb-
ruar 1942 aufgelöst. Ebenda, 213.
109 WStLA 1.3.2.119.A32, Zl. 5533/25; ÖStA, AdR, ZNsZ, Stiko, Karton 568, 31-N 14; Duizend-
Jensen, Gemeinden, 115ff. SieheauchFußnote 48.
110 Torczyner, Tätigkeit, 134;Baar, 50 JahreHakoah, 231;Körner,Lexikon, 152.
111 ObgleichderEintragzuManzoni inKörner,Lexikon,152 („LolaManzoniwar indenersten
KriegsjahreneineguteKurzstreckenläuferin“),mit einemGeburtsdatumin1905nicht stimmig
ist, handelte sich bei Lola Manzoni vermutlich um die als Leonore Magdalena Menkes am
19.August 1905 geboreneTochter eines ausGalizien stammendenGesangsprofessors. DieNa-
mensänderung von Menkes in Manzoni erfolgte 1924. Körner, Lexikon, 152; Sport-Tagblatt
(8. 10. 1928) 5;www.genteam.org:EinträgezuLeonore, JakobundHansManzoni;http://www.
holocaust.cz/databaze-dokumentu/: Eintrag zu Jakob Manzoni; Opferdatenbank des Doku-
mentationsarchivs des Österreichischen Widerstands unter www.doew.at: Eintrag zu Jakob
Manzoni.Weiter:NationalArchives California,NARADN1929. Cases andReports, ClaimsPro-
cessedby, andGeneralRecordsof thePropertyControlBranchof theU. S.AlliedCommission
forAustria (USACA)Section, 1945–1950,V1.1186/IIILolaSchönfeld,onlineunter:https://www.
fold3.com/document/306465080/ (4. Juli 2018). Zu dem am 15. November 1900 geborenen
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918