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Case Study: Das Beispiel Hakoah 289
zahlreiche SpitzenathletInnen, Rekordhaltende und österreichische Meister.
DieHakoahnerInnen verband auch abseits des Sports starker sozialer Zusam-
menhalt, den der Verein durch zahlreiche Angebote engagiert förderte.127 Die
Hakoah betrieb ein eigenes Orchester,128 das vereinseigene Abendveranstal-
tungen bespielte, und eine Tanzsektion, die zeitweise Béla Guttmann, Sohn
eines ungarischen Tanzlehrerpaars und berühmter Hakoah-Fußballer, leite-
te.129DerVereinwarklarnationaljüdischpositioniert,dementsprechenddeter-
miniertendieStatuten:„MitgliederderHakoahkönnennurJuden(Männerund
Frauen)werden, die sich zumZionismusbekennen“.130
Die Hakoah betrieb nach Nutzung verschiedener Spielorte ab 1922 einen
Sportplatz auf einem Pachtgrundstück im südöstlichen Praterbereich Krieau.
Diesportliche InfrastrukturbotPlatz für rund25.000ZuschauerInnenundum-
fasste eine offene Holztribüne, verschiedenste Spielfelder samt Hockey und
Tennis,Duschen,Buffets sowieeinePlatzwartwohnung.131AbHerbst 1923 fuhr
dieWienerStraßenbahnlinie 11denHakoah-Platzdirekt an.132Umdie finanzi-
elle Gebarung des Allroundsportklubs durch Dezentralisierung zu vereinfa-
chenunddenVereinwirtschaftlichzusanieren, trenntensichEndeder1920er-
JahredieTouristik- undSkisektion (1927), diemitgliederstarkeSchwimmsekti-
on133 (März 1928) sowie die schuldenverursachende Fußballsektion (Juli
1928) – letztere spielte seit der Saison 1924/25 im kostenintensiven Profibe-
568, 31-N 14. ZuweiterenAngaben zuHakoahnerInnen vgl.Betz, Jewish Sport, 13, sowie das
Kapitel 5.
127 Betz, Platzeröffnung, 159f.;Betz, Sport, 29f.
128 Vgl. zumOrchesterWalterFrankl, ErinnerungenanHakoahWien 1909–1938. In:Bulletin
des Leo-Baeck-Instituts 64 (1983) 55–84, hier 76f.; HugoBenedikt, Jüdischer Sport –Hakoah.
In:Die Stimme (10. 10. 1929) 11.
129WienerMorgenzeitung (27.9. 1922) 9, (7. 10. 1922) 10. IchdankeAlexander Juraske fürdie-
senHinweis. Zu Guttmann vgl. DavidBolchover, The Greatest Comeback: FromGenocide To
Football Glory. The Story of Béla Guttmann (London 2017); David Forster, Georg Spitaler, Die
Fußballmeister. Lebenswege der Hakoah-Spieler der Zwischenkriegszeit. In: Betz, Löscher,
Schölnberger (Hg.), „...mehr als einSportverein“, 114–130.
130 BundespolizeidirektionWien, Büro für Vereins-, Versammlungs- undMedienrechtsange-
legenheiten,VereinsaktSCHakoah,ZVR-Zl.:460225356,Vereinsstatutenvon1929, §3.DerPas-
sus hatte in denStatuten aber schon seit längerem indieser Form,wenngleich nochnicht in
den Gründungsstatuten, bestanden. Vgl. Die NeueWelt, Nr.51 (1928) 9; Nr. 52 (1928) 10. Die
StatutenderHakoah-Schwesternvereine lautetenähnlich,vgl.WStLA1.3.2.119.A32,Zl. 2436/27,
10673/27, 6381/28.
131 Vgl.Betz, Platzeröffnung, 151–156.
132 Betz, Platzeröffnung, 155.
133 Für das Jahr 1929 wurden über 400Mitglieder, 1935 über 800 und 1936 605Mitglieder
ausgewiesen.Benedikt, Jüdischer Sport, 11; Österr. Sport- undTurnfront, Sportjahrbuch 1935,
220;ÖStA,AdR, ZNsZStikoWien,Mappe31-N 14.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918