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Nach 1918
Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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292 10 Nach dem „Anschluss“ wüchsedersichverbreitendennationalsozialistischen Ideologie trafendieVer- einsmitglieder imVerlaufderbeidenJahrzehnte inzunehmendemAusmaßund überstiegen Formen der sportlichen Rivalität insbesondere bei Begegnungen mitnationalsozialistischdurchsetztenVereinenwieetwademdeutschnationa- lenErstenWienerAmateurSport-Club (EWASC).143 1933kames imZuge terro- ristischer Akte österreichischer Nationalsozialisten zu einer Brandlegung am Hakoahplatz.144 Antisemitische Übergriffe kulminierten auch anlässlich des FackellaufsmitdemOlympischenFeuer, alsdieses im Jahr 1936Wienpassier- te.145 Dennoch ging der Sportbetrieb weiter. Der vielfach diskutierte Boykott der Olympischen Spiele in Berlin 1936 durch die Schwimmerinnen Ruth Lan- ger, Judith Deutsch und Lucie Goldner146 setzte ein sichtbares Zeichen gegen Hitlerdeutschland,dennoch fuhrenHakoahmannschaften selbst inden Jahren 1936 und 1937 weiterhin zu Wettkämpfen mit jüdischen Vereinen nach Deutschland.DieantisemitischeStimmunginÖsterreichwurdevondenSport- lerInnen unterschiedlich wahrgenommen. Das Spektrum reichte von einer weitgehenden Negierung der sogenannten „Judenfrage“ bis zum von diesem Thema bestimmten Blick auf die Außenwelt.147 Der Hakoah-Handballer und langjährige spätereVereinspräsidentErichSinai hielt dazu in einem Interview retrospektiv fest: „EswarenAnzeichen genugda. [...] [Aber]manhat geglaubt: Österreich hat die Schutz- herrschaft von Italien,148 es wird uns nichts passieren. Und eswird schon nicht so arg sein. [...] Ich verstehe es heute nicht, dass man damals nicht daran geglaubt hat, dass daskommenwird. [...] Abermanhat esnicht gesehen, odernicht sehenwollen.“149 „Hakoahaufgelöst“ AbMärz 1938bedeutetendieMachtergreifungderNationalsozialistenunddie folgendeLegalisierungbzw.derAusbaunationalsozialistischerNormen inÖs- 143 Vgl. dazuKapitel 8. 144 Rothländer, SS, 378. 145 Betz, Platzeröffnung, 161;Marschik, Turnen, 381f.; vgl. auchKapitel 8. 146 Vgl. etwaPropp,Maidens, 81–93;Bunzl,Hoppauf, 116–121. 147 PeterPulzer,Nachwort. In:HansTietze,Die JudenWiens.Geschichte–Wirtschaft –Kul- tur (Wien [1933] 2008) 290–310, hier 300; John, Code, 121–142; Steven Beller, Wien und die Juden 1876–1938 (Wien 1993) 85ff.;Lichtblau, Integration, 510f. 148 Gemeint ist dieFörderungdesaustrofaschistischenRegimesdurchdieRegierungMusso- linis in Italien, die bis zum Jahr 1936, als Italien und NS-Deutschland sich außenpolitisch annäherten, die staatlicheEigenständigkeitÖsterreichs gegenüberDeutschlandunterstützte. 149 InterviewderAutorinmitErichundKittySinaiam29.7.​ 2008, sieheBetz, Platzeröffnung, 162f.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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