Seite - 309 - in Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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Case Study: „Der Jude soll zahlen.“ 309
„Ich erfuhr auch von Redereien [...] dass der damalige Präsident der ‚Austria‘ der Fuss-
balldoktor ‚Michl‘Schwarz imBesitzeeinesGoldpokalswar.Dadies immerhineineunge-
wöhnlicheSachewar […]u.mirderKassierSaszgesagthatte,bzw. zugebenmusste,dass
er S4000,– an die Vereinskasse schuldig war, vermutete ich, dass der Pokal an
Dr. Schwarz als Gegenleistung vom Kassier gegeben worden war. Genaue Aufklärung
konnte ichnicht erhalten, indenBüchernwarderPokalmit 3800,–Seingesetzt. Ich rief
Dr.Schwarzan,nachdem[...]Dr.EberstallerundüberBefragungderAustriaspielerdurch
mich vonder Schenkungdes Pokals anDr. Schwarz nichtswusste u.mir Dr. Eberstaller
gesagt habe, dass ichdenPokal einziehen solle.“210
Emanuel Schwarz gabdazu in seinerAussagean
„1936erhielt ichbeiderSiegesfeierderAustria imWienerRathausnachdemzweitenSieg
imMitropacupvomdamaligenPräsidentendesösterr.FußballbundesOLGDr.Eberstaller
einenPokal überreichtmit derWidmung ‚demverdientenPräsidentendesFussballklubs
Austria Dr. Emanuel Schwarz‘ aus Gold hergestellt, den der Verein, d.h. faktisch einige
Mitglieder darunter der Juwelier Lukasch […], derHersteller desPokalesundVereinsmit-
gliedderAustriawar, derdenHauptteil beisteuerte. [...] [Haldenwang] riefmichabApril
1938mehrfach an und hat schon das ersteMalmir am Telefonmitgeteilt, dass ich den
Pokal, den ichaufGrundvon jüdischenPetitesdemVereinherausgelocktbzw.gestohlen
hätte, binnen einer Stunde zurückzustellen habe, ansonsten er von der SA abgeholt
würde.“211
DieRolle desVerbandspräsidentenEberstaller, der als illegalerNationalsozia-
list bis 1938 gutmit seinen jüdischenFunktionärskollegen zusammengearbei-
tet hatte, bleibt in den Zeugenaussagenwidersprüchlich. Josef Liegl, Sekretär
des ÖFB, schilderte in seiner Aussage den Versuch von Schwarz, bei seinem
ehemaligenVerbandskollegenRatundHilfe einzuholen:
„Es hatmich nur einige Zeit nach demUmbruch einmal entweder Dr. Michael Schwarz
oderseineFrauangerufenundmirmitgeteilt,dassHaldenwangschonwiedereinGewalt-
stückmacheunddenPokal vonDr. Schwarz zurückverlange.Er fragtemichumRatund
batumInterventionbeiDr.EberstallerdermirüberAnruf rietdemDr.Schwarzzusagen,
dass er denPokal vorläufig hergeben solle und keinenWiderstand leisten, erwerde ihn
später schonzurückbekommen.“212
Haldenwangschilderte seinTelefonatmit Schwarz, indemerdiesenbedrohte
unddenPokal zurückforderte:
210 Vernehmung22.5. 1946.
211 Zeugenvernehmung4.6. 1946.
212WStLA,Volksgericht,A1-BgVr-Strafakten:Vg 11/55,VerfahrenVG1gVr 2613/46, Zeugen-
vernehmung26.6. 1946.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918