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Case Study: „Der Jude soll zahlen.“ 311
undnachdemKriegvonderAustria anEmanuel Schwarz rückerstattet.217Die
Spieler hatten 1938 jedoch offenbar andere Pläne für die wertvolle Trophäe.
DazuBrunoEckerl, als Zeuge imVerfahren 1954: „DiedamaligenSpieler stan-
denauf demStandpunkt, dassdieserGoldpokal nur demFußballklubAustria
gehöre und bestürmtenmich, ihn einschmelzen zu lassen, um daraus Ringe
für die Spieler zumachen.“218ÄhnlichKarl Sesta:
„Ichweiss,dasswirumdiesenGoldpokalmitSchalke04gespieltundeinSpielgewonnen
undeinesverlorenhaben.DerPokal solltedannmiteinemdrittenSpiel entschiedenwer-
den. Die Spieler waren damit nicht einverstanden und der Pokal sollte eingeschmolzen
unddarausRinge für die aktivenSpieler gemachtwerden.“219
WalterNauschhingegengaban: „Mir istnichtbekannt, dassdieaktivenSpie-
ler und SA-Leute der ‚Austria‘ auf Ordnung der Angelegenheit Goldpokal be-
standenhaben.Es ist jedochmöglich,dassMock,derdamalsaktiverSA-Mann
warundseinFreundSesta,HaldenwangaufdieseSacheaufmerksamgemacht
haben“.220
In demVerfahrenwird ein durchaus ernüchterndes Bild der Handlungen
der auf ihren Vorteil bedachten prominenten Spieler, allen voran Mock und
Sesta, gezeichnet.Noch 1954 sollte Sesta imHinblick auf sein Sparbuchange-
ben: „DieAustria istmir aus jener Zeit nochheute 5.000,–S schuldig.“221 Zu-
mindest im Fall des 1939 verstorbenen Matthias Sindelar, der in den Akten
ansonsten nicht erwähnt wird, wird dieser Eindruck durch die Aussage von
Emanuel Schwarz gemildert. So schildert Schwarz bereits hier einen – später
oft zitierten–Aktder Loyalität Sindelars:
„[Haldenwang]verbotz.B.denSpielernderAustria,michvon jetztab […]zugrüssenund
ist mir noch mit absoluter Sicherheit in Erinnerung, dass mir dies der berühmte jetzt
verstorbeneSindelar erzählteundmitdenWortenbegleitete: ‚stellen sie sichvorderVer-
brecher verbietetmirmeinen Chef und Präsidenten zu grüßen, ichwerde Sie aber doch
grüßen.“222
Resümierend beschreibt Ligasekretär Ziegler die Tätigkeit des Kommissari-
schenVerwalters in dessen kurzerAmtszeit bis zumSommer 1938 alsGeldbe-
217 Zur Biografie des Rechtsanwalts Eckerl, abMai 1938Anwärter bzw. ab 1941Mitglied der
NSDAP, vgl.Forster, OpferÖsterreich, 113.
218WStLA,Volksgericht,A1-BgVr-Strafakten:Vg11/55,VerfahrenVG8eVr11/55,Zeugenver-
nehmung22.7. 1954.
219 Zeugenvernehmung 16.10. 1954.
220 Zeugenvernehmung2.9. 1954.
221 Zeugenvernehmung 16.10. 1954.
222 Zeugenvernehmung4.6. 1946.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918