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Nach 1918
Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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318 11 Resümee Fußball-Verbands Siegfried Samuel Deutsch. Daneben existierten mit zionis- tisch-sozialistischenVereinigungenwie der Poale Zion aber auchOrganisatio- nen, die keinenWiderspruch zwischen der selbstbewussten Bezeichnung als Juden und als SozialdemokratInnen sahen. Gleichzeitig bedeutete eine Mit- gliedschaft in einem der bürgerlichen, „unpolitischen“ Sportvereine nicht zwingend,dassdiebetroffenen jüdischenFunktionäredeshalbdenpolitischen ZielenderSozialdemokratie immerablehnendgegenüberstanden.Prominentes Beispiel dafür ist der ÖFB-Funktionär und „Wunderteam“-Verbandskapitän HugoMeisl, der trotzderKonflikteumdenProfifußball, die 1926mitderTren- nungderVerbände indenVAFÖunddenbürgerlichenFußball-Bundendeten, eingutesEinvernehmenmitderSozialdemokratiebewahrteundz.B. einerder bekanntesten Bewohner des Karl-Marx-Hofes in Döbling war.1 Meisl verkör- perte alspolyglotter Internationalist undSportmanager eineReihevonStereo- typen,dieauchimzeitgenössischenMediendiskursals„jüdisch“codiertwaren undsichvorallemnach1938alsantisemitischesBildverfestigten.Erbliebalso auch imSport als Jude sichtbar, auchwenn er sein Engagement selbst sicher nicht als bewusste Auseinandersetzungmit dem Judentum verstanden hätte. AnderswardiesbeidenZionisten,etwadenbeidenHakoah-Präsidenten Ignaz HermannKörner und Fritz Löhner-Beda, hier bildete die Betätigung im Sport alsAktiveundFunktionäreeinedezidierte identitätspolitische jüdischePraxis. EswarLöhner-Beda,derdieForderungaufgestellt hatte, die gleichzeitigeMit- gliedschaft bei derHakoahundbeipolitischenParteienabseits desZionismus alsunvereinbarzuerklären. ImbürgerlichenSport,demdieHakoahspätestens nachdemSchrittderFußballsektion indenProfibetrieb 1924zugerechnetwer- denmuss, waren aber eben auch zahlreiche jüdische Funktionäre außerhalb derzionistischenKlubsaktiv.DieZahlender inKapitel5dargestelltenFußball- vereine zeigen, dass ihr Prozentsatz in vielenKlubsweit höher lag, als es die überlieferte kulturelle Topografie des Wiener Sports nahelegen würde. Viele vonihnen,wieHugoMeisloderderFAC-PräsidentKlagsbrunn,bliebenMitglie- der der IKG, ein guter Teil aberwarenKonvertiten, die aus unterschiedlichen Gründendie israelitischeKultusgemeindeverlassenhatten.WährendFunktio- näre des ArbeiterInnensports aufgrund des antisemitischen Verdachts gegen die„jüdische“SDAPper seGefahr liefen, vondenpolitischenGegnernbzw. in denMedien als Judendenunziert zuwerden, bildete die Kategorie desRaums einTerrain, das innerhalbdesSports auchdas tendenzielleVerschwindendes Jüdischen ermöglichte.Wiewir gezeigt haben, ermöglichte die Tätigkeit in ei- nemder als „bodenständig“ codierten vorstädtischenVereine, ebensowie ein 1 AndreasHafer, WolfgangHafer, Hugo Meisl oder: Die Erfindung des modernen Fußballs (Göttingen 2007) 98.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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