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Nach 1918
Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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Resümee 319 Engagement in einem der Dachverbände des österreichischen Sports (v.a. in der Zeit desAustrofaschismus), bis 1938oft zivilgesellschaftlichePartizipation jenseits desStigmas jüdischerDifferenz. ImFall desFloridsdorfer Funktionärs SiegfriedSamuelDeutsch führtedies etwadazu,dasser imPolitik-undSport- kontext ausschließlich als „Siegfried“ in denMedien zu findenwar,während er als Betreiber eines Kleidergeschäfts als „Samuel“ firmierte.2 Jüdinnen und Judenwarenalsonichtnur inden retrospektivdem jüdischenSport zugerech- netenVereinenundVerbänden tätig, siewarenauf allenEbenendes Sports – etwa der Sportpolitik und der Medien – aktiv und kreierten, gerade in ihrer Auseinandersetzung mit jüdischer Differenz, jene Erzählungen, Bilder und MythendesWienerSportsmit,diezueinerdauerhaftenQuellederpopulärkul- turellen DefinitionWienswurden.Wiewidersprüchlich und brüchig – in der extremsten Formdurch die Zäsur des „Anschlusses“ und der Shoah – die je- weiligenSelbst-undFremdpositionierungenwaren, sollendie folgenden–be- reits inder Einleitungkurz angerissenen–Beispiele veranschaulichen: (1) DerMotorsportfunktionärRudolf Kleinwar auch indenMedienhäufig präsent: Inserate seiner Importfirmawurdenvon regelmäßigenBerichtenüber seine Aktivitäten als Rennkommissär von Autorennen und über seine Anwe- senheit auf den Ehrentribünen zahlreicher Sportereignisse begleitet. Dort konnte er seine Sportleidenschaftmit derAnbahnunggeschäftlicherKontakte verbinden. Bei Automobil-, Motorrad-, Motorboot- und Fahrradrennen, aber auchbeiFlugkonkurrenzen, alsobei allenSportarten, fürdie seineFirmaPro- dukte importierte, wurde Klein fast allwöchentlich in denMedien als promi- nenterBesucher erwähnt.3Dasendeteabruptmitdem„Anschluss“:Klein floh 1938nachAustralien,wurdedort jedoch 1943wegendesVerdachtesder Spio- nageverhaftet. EinesderwichtigstenBelastungsindizienberuhteauf einerAk- tualisierung jüdischer Differenz: Dass ein Rosenkranz im Besitz des Juden Klein gefunden wurde, diente als Kernpunkt der Anklage. Immehrere Tage dauerndenVerhör4 erzählteKleinüberdie großeBedeutungdes Judentums in seiner Biografie, schließlichmusste er sich als Flüchtender nunmehr als Jude positionieren:Erberichtete ausführlichüber seinLebenalsTeil eines „assimi- 2 InkeinerdergesichtetenZeitungsmeldungenwurdeerals „Samuel“benannt. InLehmanns allgemeinemWohnungs-Anzeiger ist Deutsch dagegen als „Samuel“ eingetragen. Auf dem Meldezettel:„Siegfr.SamuelDeutsch“;WienerStadt-undLandesarchiv2.5.1.4.K11,Meldezettel Siegfr. SamuelDeutsch (7. 1.​ 1930). 3 EmilieKolb,MatthiasMarschik, ALife of „JewishDifference“. TheStoryofRudolfKlein. In: Australian JewishHistorical Society Journal 23,H. 2 (2017) 332–363. 4 National Archives of Australia (NAA), A 367, C 69275, Aliens Tribunal, Objection No. 8 of 1943; ST 1233/1,N31.745,Dossier 3059;MP 1103/2,N1749.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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