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Nach 1918
Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Seite - 327 -
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Resümee 327 freilich keinenWiderspruch zumWunschnach Teilnahme an internationalen Sportveranstaltungenwie etwaOlympischen Spielen. In einigen Fällen gerie- ten die österreichischenVerbändewegen ihrer Arierparagrafen damit in Kon- fliktmit ihren internationalenDachorganisationen, die auf Diskriminierungs- freiheit beharrten. Der kulturelle Raumdes populären Sports schien zumindest ansatzweise einenOrt zubieten, andem jüdischeEmanzipationauf eine spezifischeWeise gelebtwerdenkonnte. JüdischeDifferenz scheint inmanchenNetzwerkenkei- ne entscheidende Rolle gespielt zu haben, wie beispielsweise das Testament HugoMeislszeigt, indemeralsengsteVertrauteRichardEberstaller,denJour- nalisten Otto Howorka und Josef Gerö nennt, drei – zumindest nach außen hin – dezidierte Vertreter des Austrofaschismus. Tatsächlich war Eberstaller illegalerNationalsozialist, auchHoworkagab sichnach 1938als solcher. Gerö war als jungerMann vommosaischen zumprotestantischenGlauben konver- tiert,wurdeaber trotzdemvonseinenZeitgenossenals „Jude“ identifiziert. PersönlicheKontakte in, aberauchzwischenSportvereinen,diewiederum Basis fürdieAkkumulationvonSozialkapitalunddieAusbildungsportspezifi- scherNetzwerkewaren,gingenüber jüdischeDifferenzhinweg. IneinigenFäl- lenwurdenaltepersönliche, familiäreundberuflicheNetzwerkeaufdenSport übertragen, invielenFällenkreiertederSport jedochneueNetzwerke,dieden etablierten Verbindungen durchaus entgegenstehen konnten. In anderen Fäl- lenwurdendieNetzwerkedesSportsmit anderenKontakten familiärer, politi- scher oder ökonomischer Provenienz zusammengeführt, paradigmatisch etwa auf den Ehrentribünen bei großen Sportereignissen. Dies gilt für jüdische, nichtjüdischeundgemischteNetzwerke. Die besonderen sportbezogenen Aushandlungspraxen, die spezifischen Modelle der Verhandlung jüdischer Differenz sowie dieMöglichkeiten für Ju- denund Jüdinnen, eineaktiveRolle imSportkontext zuübernehmen, endeten allesamt mit dem „Anschluss“. Doch zumindest manche der internationalen SportnetzwerkebliebenauchnachdemMärz 1938nochhilfreich:DieZahlder Sportfunktionäre, denen es gelang, ausÖsterreich zu fliehen, ist relativ hoch. Nicht seltenwaren lokaleoder transnationaleNetzwerkezumindest einTeilas- pekt dieser Fluchtgeschichte. Das trifft für Emanuel Schwarz, den jüdischen PräsidentenderAustria, inbesonderemMaßzu:Bei seinerFluchtausWien im Jahr 1938konnte er auchaufdieHilfederPräsidentendes Italienischensowie desInternationalenFußballverbandeszählen.Selbstalser imvonDeutschland besetztenFrankreich in einemLager inhaftiertwar, verhalf ihmangeblich sei- ne Bekanntheit als Fußballfunktionär zur Flucht.29 Schwarz erlebte das Ende 29 Interview Bernhard Hachleitner mit Franz Schwarz, Sohn von Emanuel Schwarz (6.9.​ 2007),Wien.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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