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330 11 Resümee
durchdieErfolgederHakoah-Fußballmannschaft, imSport auchexplizit Jüdi-
sches (sogar Zionistisches) Eingang in denMainstreameinerWiener (undmit
gewissen Abstrichen österreichischen) Populärkultur. Internationale Erfolge
derHakoah,wie der 5:0-Sieg gegenWesthamUnited unddie erste Amerika-
Tournee, wurden durchaus als Leistung derWiener, ja sogar des österreichi-
schen Sports rezipiert. So schrieb beispielsweise das Sport-Tagblattnach dem
Westham-Spiel: „DieHakoahhat alsodenWienerFußballsport aufsbeste ver-
treten, wie es kaum ein andrer Wiener Verein gekonnt hätte.“ Die Stimmen
einiger englischerBlätter zeigten erst, „welchenDienst dieHakoahdemöster-
reichischenSport erwiesenhat“.37
So entfaltet sich einüberausheterogenesBild jüdischer sportlicher Praxis
imWien der Zwischenkriegszeit, wobei strukturelle Parallelen zumbis heute
beschworenen „JüdischenWien“, also zum Beitrag von Juden und Jüdinnen
anderEtablierungundAusgestaltungeiner spezifischenKulturdesFindeSiè-
cle,38 keineswegs zufällig sind: Sie speisen sichausdenauffallendengenVer-
quickungendesSports zuBereichenderHochkulturundderModerne, ebenso
wie sie die Unhaltbarkeit einer fixen Unterscheidung in Hoch- und Populär-
kultur nahelegen.39 Die jüdische Differenz der öffentlichen Figur des (Sport-)
Funktionärswar einerseits in das Feld des Sportsmit seinen spezifischenDy-
namikenundRegulativeneingebunden, zumanderenengmitdarüberhinaus-
gehenden Kategorien wie Raum, Geschlecht sowie sozialem und ökonomi-
schemStatusverknüpft.Damit liefert ihreAnalysesowohlErkenntnissezuden
populärkulturellenBesonderheiten des Sports als auch zumVerständnis brei-
ter politischerund soziokultureller Entwicklungender Zwischenkriegszeit.
37 Sport-Tagblatt (7.9. 1923).
38 Vgl. etwaStevenBeller,Wienunddie Juden, 1867–1938 (Wien 1993).
39 KlausHödl, „Jüdische Differenz“ in der Wiener Populärkultur. In: Medaon. Magazin für
jüdisches Leben in Forschung undBildung 11, H. 6 (2012), online unter http://www.medaon.
de/de/artikel/juedische-differenz-in-der-wiener-populaerkultur/ (1. Dezember 2017); vgl. auch
Lisa Silverman, JewishMemory, JewishGeography.Viennabefore 1938. In:Arijit Sen, Lisa Sil-
verman (Hg.), Making Place. Space and Embodyment in the City (Bloomington/Indianapolis
2014) 173–197, hier 183.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918