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226 Hemma Mayrhofer
Beschmutzung und Beschädigung verboten, andere muten eher widersinnig
an, etwa die Untersagung von Fußballspielen außer auf den dafür vorgesehe-
nen Plätzen (es handelt sich ja um einen Platz, der u.a. zum Fußballspielen
gedacht ist), wieder andere wirken weltfremd oder ablehnend der Zielgruppe
gegenüber, beispielsweise das Verbot zu lärmen. Die aufgestellten Regeln
orientieren sich insgesamt eindeutig nicht an den Bedürfnissen und der Le-
benswelt der Jugendlichen. Die zentrale Botschaft scheint zu sein: Wenn die
Jugendlichen schon einen Platz für sich beanspruchen, dann haben sie sich
dort zumindest wie brave, wohlerzogene Kinder zu verhalten und die Er-
wachsenen nicht zu stören, andernfalls müssen sie mit empfindlichen Strafen
rechnen, konkret mit einer Geldstrafe von bis zu € 360,-- oder einer Ersatz-
freiheitsstrafe von bis zu zwei Wochen.40
Das Schild deutet auf eine längere Interaktions-, konkret auf eine verhär-
tete Konfliktgeschichte hin, die sich in der Tafel materialisiert. Seitens der
Gemeinde symbolisiert die Tafel ein repressiv-autoritäres Konfliktverhalten
gegenüber jugendlichen NutzerInnen. Sie wirkt wie eine Kampfansage an die
Jugendlichen und lässt auf wenig Interesse an einem Dialog, Kompromiss
oder gar einem Konsens schließen. Die lange Liste an Verboten wirft die
Frage auf, ob den Jugendlichen überhaupt irgendeine Tätigkeit am Platz
erlaubt ist. Dadurch evoziert die Tafel einen leicht absurden Eindruck, die
dahinter stehende Autorität wirkt tendenziell hilflos. Das beobachtete Ge-
spräch (s.o.) deutet darauf hin, dass manche Jugendliche die Tafel nicht ein-
mal bemerken, dadurch verstärkt sich der hilflose Eindruck von den Errichte-
rInnen der Tafel.
Beim zweiten begleiteten Outreach etwas mehr als zwei Monate später
(Ende Oktober 2014, vgl. BP2) wurde dem Beobachter berichtet, dass die
Gemeinde die zeitliche Nutzungsbegrenzung inzwischen aufgehoben habe.
Die dem Beobachter geschilderte Weiterentwicklung des Konfliktverlaufs
verweist erstmals auf eine leichte Entspannung und auf die Bereitschaft sei-
tens der Gemeinde, den Jugendlichen etwas entgegenzukommen. Die Ju-
gendarbeiterInnen berichteten, bezüglich der Zeitbegrenzungen und des
Security-Dienstes bei GemeindevertreterInnen interveniert zu haben. Dem-
nach hatten sie zunächst die informelle Ebene zur Vermittlung im Konflikt
genutzt (Gespräch mit Jugendbeauftragten auf Grillfest), danach wurde die
Angelegenheit in ein formelleres Gremium der Gemeinde (Jugendausschuss-
sitzung) getragen. Nicht beobachtet werden konnte, wie die Jugendlichen auf
das Entspannungsangebot der Gemeinde reagierten. Ein Gemeindevertreter
erwähnte im Interview ebenfalls ein Treffen mit Jugendlichen und
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40 Theoretisch könnte die Stadtgemeinde als Bezirksbehörde auch Verwaltungsstrafmandate
ausstellen, es bräuchte eine entsprechende Anzeige bei der Gemeinde. Faktisch werden sol-
che Regelüberschreitungen nur sehr selten exekutiert, sie sollen eher präventive Wirkung
entfalten.
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Buch Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse"
Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Titel
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Untertitel
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Autor
- Hemma Mayrhofer
- Verlag
- Verlag Barbara Budrich
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 378
- Schlagwörter
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Kategorie
- Geisteswissenschaften