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Fallstudie zu Outreach-Angebot im ländlichen Raum 231
auf Ebene der für Jugendpolitik zuständigen Gemeindevertretung, in dessen
Folge bisherige Kooperationsgewohnheiten und Nachweiserfordernisse für
die erbrachten Leistungen einer Prüfung unterzogen wurden. Genau genom-
men waren zwei verschiedene Personen für die Agenden zuständig bzw. gab
es für GOOSTAV zwei verschiedene Ansprechpersonen, von denen nur eine
nun personell neu besetzt war. Auf Seiten dieser neu für den Bereich Jugend
zuständigen Person lässt sich ein großes Bedürfnis nach umfangreicherer und
effektiverer Kontrolle der Tätigkeiten der Jugendarbeit erkennen. Hierbei ist
zu berücksichtigen, dass politische VertreterInnen in neuen Positionen mög-
licherweise auch einen höheren Rechenschaftsdruck ihren relevanten Umwel-
ten gegenüber haben. Der Prozess der Neujustierung der Kooperationsbezie-
hung scheint nicht ausreichend erfolgreich gewesen zu sein, wechselseitige
Akzeptanz und Verständnis für die Anliegen und Handlungsbedingungen der
jeweils anderen Seite konnten offenbar auf beiden Seiten nur ungenügend
ausgebildet werden. Dabei zeigte sich für die Einrichtung mobiler Jugendar-
beit erschwerend, dass sie vorrangig nicht mit der neu verantwortlichen Per-
son auf Gemeindeebene in Kontakt stand, sondern nach wie vor mit dem
schon länger mit Jugendangelegenheiten beauftragten Gemeinderatsmitglied,
mit dem weiter Einvernehmen über Ziele und Erfolgsnachweise bestand, der
aber faktisch der weniger definitionsmächtige Vertreter auf Gemeindeebene
gewesen sein dürfte. Die ergänzenden Interviews deuten an, dass sich die
Komunikationsebene zwischen den beiden für Jugendangelegenheiten zu-
ständigen GemeindevertreterInnen nicht immer spannungsfrei gestaltete.
Die grundsätzliche Vertrauenskrise manifestierte sich insbesondere in
Auseinandersetzungen rund um Umfang, Inhalte und Häufigkeit von Tätig-
keitsberichten der mobilen Jugendarbeit der Gemeinde gegenüber. Ein zent-
raler Vorwurf von Gemeindeseite bezog sich auf mangelnde Transparenz
bezüglich der Aktivitäten der Einrichtung gegenüber dem kommunalen För-
dergeber. Die Berichterstattung wurde als deutlich zu gering und zu wenig
aussagekräftig beurteilt, wodurch die Gemeindevertretung befürchtete, die
finanzielle Förderung ihrerseits gegenüber den Mitgliedern des Jugendaus-
schusses und der Gemeindebevölkerung allgemein nicht rechtfertigen zu
können. Die auf Gemeindeseite gewünschte Dokumentationsart stieß aber auf
Seiten der JugendarbeiterInnen auf Ablehnung, sie erzählten dem Beobachter
beim Outreach ihre Befürchtung, dass der Gemeinde dadurch Rückschlüsse
auf einzelne Jugendliche möglich werden könnten und so das Vertrauensver-
hältnis zu diesen gefährdet wäre. Die Zurückweisung des Transparenz- und
Kontrollbedürfnisses wurde von der Gemeindevertretung wiederum als inak-
zeptable Geheimnistuerei wahrgenommen, durch die der eigene Kontrollauf-
trag nicht ausreichend erfüllt werden könne.
Anzumerken ist, dass es bei dieser Analyse nicht darum geht, die Plausi-
bilität der unterschiedlichen Argumentationen zu ergründen. Beide Seiten
haben legitime Anliegen und sehen sich gewissen Erfordernissen gegenüber,
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Buch Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse"
Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Titel
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Untertitel
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Autor
- Hemma Mayrhofer
- Verlag
- Verlag Barbara Budrich
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 378
- Schlagwörter
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Kategorie
- Geisteswissenschaften