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232 Hemma Mayrhofer
die sich aber mitunter in einem Spannungsverhältnis zueinander befinden
können, das sich nicht einfach auflösen lässt. Die mobile Jugendarbeit steht –
ähnlich wie andere Bereiche der Sozialen Arbeit – vor grundsätzlichen
Schwierigkeiten, die eigenen Leistungen oder gar deren Wirkungen gegen-
über Dritten nachzuweisen. Wenn etwa JugendarbeiterInnen zum fixen
Outreachtermin vor Ort auf Jugendliche warten und sich dabei in die mitge-
brachten Liegestühle setzen – wogegen grundsätzlich nichts zu sprechen
scheint, dann mag das für PassantInnen wie bezahltes Nichtstun wirken und
kann die politisch Verantwortlichen unter Rechenschaftsdruck bringen:
„(…) im Sommer sind sie halt dann dort gesessen zur Fixzeit im Liegestuhl, die Leute
sind vorbeigefahren und die Bevölkerung war angefressen. Und dann sind halt Fotos
kursiert, die GOOSTAVs sitzen im Liegestuhl und machen nichts. (…) Die Leute ha-
ben gesagt, herst ihr zahlt denen- die kriegen ein Heidengeld und liegen eigentlich nur
in der Sonne.“ (SR2-IP2: S. 1/Z30ff.)
Beschwerden wie beispielsweise von Seiten der KirchenaktivistInnen oder
Vorfälle wie das geschilderte unhöfliche Verhalten gegenüber einer Kirchen-
besucherin (s.o.) befeuerten die Konfliktentwicklung.
Die Divergenzen waren zugleich unterlegt durch teilweise voneinander
abweichende Auffassungen über die Aufgaben und Ziele der mobilen Ju-
gendarbeit, die sich – etwas verkürzt formuliert – um die Frage drehen, in-
wieweit und in welchem Ausmaß die JugendarbeiterInnen auch einen dezi-
dierten Erziehungsauftrag aktiv wahrnehmen sollen. Allerdings erweckt der
rekonstruierte Konfliktverlauf nicht den Eindruck, dass dies eine zentrale
Rolle im Konflikt spielte. Maßgebliche Konflikttreiber dürften weniger sach-
liche als vielmehr soziale Aspekte gewesen sein: Es gelang zunächst nicht,
ausreichend Akzeptanz für die unterschiedlichen Aufgaben und Rollen beider
Seiten im Kooperationsverhältnis zu schaffen.
Erschwerend dürften sich innerparteiliche Divergenzen ausgewirkt haben,
es scheint für GOOSTAV zwei unterschiedliche Ansprechpersonen auf Ge-
meindeebene gegeben zu haben, deren Kommunikation und Kooperation
auch nicht immer reibungslos funktioniert haben dürfte (s.o.). In das Gesche-
hen waren zudem VertreterInnen unterschiedlicher politischer Parteien ein-
gebunden, die Auseinandersetzung fiel in die (Vor-)Wahlkampfzeit zur Ge-
meinderatswahl, welche Ende Jänner 2015 stattfand. Der Konflikt wurde
teilweise auch über lokale Medien ausgetragen, die Berichte lassen klar er-
kennen, dass die Angelegenheit Teil der politischen Auseinandersetzung vor
den Wahlen geworden war. Die wahlkämpfenden Parteien kamen als zusätz-
liche Konfliktdimension hinzu, die Einrichtung mobiler Jugendarbeit dürfte
in gewissem Ausmaß zum Spielball zwischen den politischen AkteurInnen
geworden sein. Die Auseinandersetzungen zwischen den Parteien im Wahl-
kampf wurden unter anderem an der Frage über das künftige Engagement der
mobilen Jugendarbeit im Gemeindegebiet ausgetragen.
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Buch Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse"
Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Titel
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Untertitel
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Autor
- Hemma Mayrhofer
- Verlag
- Verlag Barbara Budrich
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 378
- Schlagwörter
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Kategorie
- Geisteswissenschaften