Seite - 268 - in Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
Bild der Seite - 268 -
Text der Seite - 268 -
268 Hemma Mayrhofer, Florian Neuburg
Mehrheit der AnrainerInnen war allerdings zunächst strikt dagegen, nur ein
Anrainer konnte sich diese Lösung vorstellen.
Da im ersten Teil der Veranstaltung vermittelt worden war, dass eher an-
dere Cliquen für die Lärmbelästigungen verantwortlich seien als die anwe-
senden Jugendlichen, kam es von Seiten des Bürgermeisters auch zum Ver-
such, Letztere ein Stück weit in die Pflicht nehmen. Sie sollen sich, so das
Ersuchen, am Sportplatz dafür einsetzen, dass andere NutzerInnen sich besser
benehmen. Einige Jugendliche wandten dagegen ein, dass es dadurch zu
Konflikten kommen könnte. Auch die JugendarbeiterInnen machten darauf
aufmerksam, dass sich hier Konfliktlinien zwischen den Jugendlichen erge-
ben könnten. Festzuhalten ist hierzu, dass dadurch der Konflikt zwischen
AnrainerInnen und manchen NutzerInnen auch zwischen unterschiedliche
NutzerInnengruppen am Sportplatz hineingetragen worden wäre, da damit ein
Teil der Jugendlichen die Interessen der AnrainerInnen am Platz vertreten
hätte (müssen). Die JugendarbeiterInnen zeigen sich hier als wichtige Unter-
stützung für die teilnehmenden Jugendlichen, sich gegen solch riskante An-
liegen zu verwehren.
Der von der mobilen Jugendarbeit eingebrachte Kompromissvorschlag
wurde schlussendlich vom Bürgermeister aufgegriffen. Er legte fest, dass es
eine Probephase ab Mitte Mai geben solle, in der die Öffnungszeiten bis 21
Uhr verlängert werden. Zudem versicherte er den AnrainerInnen, dass sowohl
er selbst als auch die zuständigen GemeinderätInnen öfter beim Sportplatz
vorbeischauen würden. Der ‚Dorfpolizist‘ werde zudem darum gebeten, dort
regelmäßig nach dem Rechten zu sehen. Ferner wurde zugesichert, dass der
Zaun am Platz, welcher schon einmal aufgeschnitten worden war, verstärkt
würde. Bei Problemen dürften die AnrainerInnen jederzeit den Bürgermeister
auf seiner Privatnummer anrufen, er würde dann versuchen, sofort zum Platz
zu kommen. Der Leiter der mobilen Jugendarbeit ergänzte, dass auch ihre
Kontaktnummer angerufen werden kann, auch wenn sie nicht immer unmit-
telbar kommen könnten, wären sie über Informationen sehr erfreut. Abschlie-
ßend wurde für Anfang Juni ein nächstes Treffen aller Beteiligten am selben
Ort festgelegt, um zu besprechen, inwieweit sich die vorläufige Lösung bis
dorthin bewährt habe.
Die AnrainerInnen nahmen diesen Ausgang der Versammlung bzw. die
Entscheidung des Bürgermeisters ohne größere Widersprüche an. Dies er-
weckte den Eindruck, dass der als vorläufig gekennzeichnete Kompromiss-
vorschlag für sie ausreichend akzeptabel war, zudem war in mehrfacher Wei-
se signalisiert worden, dass ihrem Bedürfnis nach mehr Kontrolle Legitimität
zuerkannt wird und in verschiedener Weise nachgekommen werden soll.
zurück zum
Buch Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse"
Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Titel
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Untertitel
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Autor
- Hemma Mayrhofer
- Verlag
- Verlag Barbara Budrich
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 378
- Schlagwörter
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Kategorie
- Geisteswissenschaften