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270 Hemma Mayrhofer, Florian Neuburg
kunft von Leuten ginge, sondern schlicht um Menschen im öffentlichen
Raum.
Insgesamt zeigte sich der Beginn der Versammlung also wenig hoff-
nungserweckend und machte nicht den Anschein, als hätte sich die Lage
entschärft. Die (nun allerdings weniger zahlreichen) AnrainerInnen äußerten
nach wie vor eine generelle Unzufriedenheit mit der Situation rund um den
Sportplatz, wobei im Detail andere Vorwürfe artikuliert wurden, diese lassen
sich auch nur teilweise mit dem Verhalten jugendlicher NutzerInnen in Ver-
bindung bringen. Während die teilnehmenden Jugendlichen sich gegen die
geäußerten Vorwürfe zu verteidigen suchten und hierbei von den Jugendar-
beiterInnen unterstützt wurden, versuchte der Bürgermeister herauszustrei-
chen, was er und andere GemeindevertreterInnen seit der letzten Versamm-
lung unternommen hatten.
Die JugendarbeiterInnen bemühten sich in der Folge darum, die Diskussi-
on immer wieder auf das konkrete Anliegen der anwesenden Jugendlichen,
d.h. die erweiterten Öffnungszeiten für den Soccerplatz im Sommer, zurück-
zuführen. Eine Jugendliche, sie war das einzige teilnehmende Mädchen,
versuchte zweimal vergeblich, Gehör für ihren Vorschlag zu erhalten, Flug-
blätter am Platz zu verteilen, um bei anderen Jugendlichen ein Problembe-
wusstsein zu schaffen und die Regeln ins Bewusstsein zu rufen: Niemand
schenkte ihr Aufmerksamkeit, auch die JugendarbeiterInnen nicht.
Im Verlauf der Versammlung sahen dann manche AnrainerInnen aller-
dings doch in letzter Zeit eine Verbesserung der Lage am Sportplatz. So sei
etwa der Müll tatsächlich weniger geworden, wurde eingeräumt.
Schließlich kam es zu einem neuen Vorschlag von Seiten des Bürger-
meisters, der den anwesenden Jugendlichen einen Schlüssel zum Soccerplatz
anbot. Auf diese Weise wäre sichergestellt, dass sie den Platz länger nutzen
könnten, sie hätten dann aber auch selber dafür Sorge zu tragen, dass um 21
Uhr wirklich abgesperrt wird. Dafür wäre es erforderlich, dass sie sich na-
mentlich erfassen lassen, damit man sie kontaktieren könne, wenn es zu
Problemen käme. Für die JugendarbeiterInnen kam dieser Vorschlag offenbar
überraschend. Sie fragten detailliert nach, wie diese Lösung im Detail aus-
schauen solle, und gaben zu bedenken, dass damit den Jugendlichen eine
relativ große Verantwortung aufgeladen werde, beispielsweise gegenüber
anderen jugendlichen NutzerInnen des Platzes. Es waren auch Zwiegespräche
zwischen Jugendlichen und JugendarbeiterInnen zu beobachten, deren Inhalt
aber für die BeobachterInnen nicht genau zu verstehen war. Von den anwe-
senden Jugendlichen hingegen wurde der Vorschlag freudig begrüßt. Sie
versicherten, dass die Lösung von ihrer Seite her funktionieren könnte. Die
JugendarbeiterInnen zeigten sich zwar weiter tendenziell kritisch, sagten dem
Bürgermeister aber auf Nachfrage zu, eine Liste mit den Kontaktdaten der
Jugendlichen zu erstellen, damit der Schlüssel in etwa zwei Wochen ausge-
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Buch Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse"
Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Titel
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Untertitel
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Autor
- Hemma Mayrhofer
- Verlag
- Verlag Barbara Budrich
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 378
- Schlagwörter
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Kategorie
- Geisteswissenschaften