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Konfliktfeld ‚Soccerplatz‘: Interessensvermittlung 273
rInnen lässt sich insgesamt als beispielhafte Praxis der Konfliktbearbeitung
bewerten.
Die Rollenverteilung zwischen Gemeindevertretung (Bürgermeister) und
der mobilen Jugendarbeit gestaltete sich wie folgt, wobei unbekannt ist, wie
weit sie vorweg abgesprochen worden war: Erstere/r war für die Konflikt-
vermittlung bzw. die Moderation des Prozesses zuständig – und auch dafür,
schlussendlich Entscheidungen herbeizuführen. Die mobile Jugendarbeit
engagierte sich in einer professionell-reflexiven Parteilichkeit für die Jugend-
lichen, bereitete diese auf die Versammlung vor, unterstützte sie während des
Prozesses und war auch in der anschließenden Besprechung und Unterstüt-
zung der Jugendlichen bei der Realisierung der Lösung aktiv. Zudem unter-
stützte sie den Bürgermeister dezent in der Moderationsrolle, und zwar vor
allem dadurch, dass sie die Diskussion immer wieder ‚einfing‘ und auf das
konkrete Anliegen der Jugendlichen zurückführte. Diese Rollenkombination
und -verteilung scheint im vorliegenden Vermittlungsfall geglückt zu sein.
Dem Bürgermeister gelang es, so der aus den Beobachtungen gewonnene
Eindruck, die Anliegen beider Seiten ausreichend aufzugreifen und zu be-
rücksichtigen. Bei größeren Konflikten und wenn zu befürchten ist, dass sich
VertreterInnen der Gemeinde nicht ausreichend dem Konflikt entziehen und
eine allparteiliche Rolle einnehmen können, wäre für die Moderations- bzw.
Mediationsrolle u.U. eine weiter außenstehende Person mit professionellem
Knowhow in der Konfliktvermittlung zu überlegen.
Die Beobachtungen legen nahe, dass die Jugendlichen auf das Treffen
professionell vorbereitet wurden: Diese lassen sich durch die nicht immer
sachlich wirkenden und auf eine persönliche Ebene abzielenden Anschuldi-
gungen der AnrainerInnen nicht provozieren und vermeiden so, in eine Eska-
lationsspirale einzusteigen. Stattdessen versuchen sie, um Verständnis für
ihre Wünsche zu werben und die Gründe für die Lärmbelastung nicht nur in
Personen, sondern auch in baulichen Gegebenheiten zu verorten. Auch das
kann zur Entlastung der Beziehungsebene in der Konfliktbearbeitung beitra-
gen, selbst wenn der Vorschlag baulicher Neuerungen nicht weiterverfolgt
wird. Die teilnehmenden Jugendlichen lassen zudem eine hohe Lösungsori-
entierung erkennen, ohne jedem Vorschlag unreflektiert zuzustimmen. So
verweisen sie beim Ansinnen, die anderen NutzerInnen des Sportplatzes zu
weniger störendem Benehmen anzuhalten, auf das damit einhergehende Kon-
fliktpotenzial zwischen ihnen und den anderen Jugendlichen – und werden
dabei von den JugendarbeiterInnen bestärkt.
Das Agieren der JugendarbeiterInnen während der Versammlungen zeigt
sie als professionelle UnterstützerInnen der Jugendlichen, die zugleich allge-
mein zu Beruhigung, Ausgleich und interessenssensibler Lösung des Kon-
flikts beitragen. Zu Beginn des Treffens positionieren sie sich als Fürspreche-
rInnen der Jugendlichen, welche sich erst langsam in der direkten Konfronta-
tionssituation mit den relativ dominant wirkenden AnrainerInnen einfinden
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Buch Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse"
Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Titel
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Untertitel
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Autor
- Hemma Mayrhofer
- Verlag
- Verlag Barbara Budrich
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 378
- Schlagwörter
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Kategorie
- Geisteswissenschaften