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276 Andrea Werdenigg, Hemma Mayrhofer
14.1 Ursprünglich geplantes Vorgehen
Die laut Forschungskonzept vorgesehenen Prä-Post-Netzwerkanalysen im
Rahmen von Fallstudien, die an zwei Standorten angedacht waren, konnten
nicht durchgeführt werden, da sich bei Erhebungsplanung keine passenden
Ereignisse im Erhebungszeitraum abzeichneten, bei denen solch ein Vorher-
Nachher-Design mit Fokus auf Vernetzung sinnvoll zur Anwendung gekom-
men wäre. Generell scheinen die Netzwerke der Einrichtungen mobiler Ju-
gendarbeit stark prophylaktischen Charakter zu haben, sie werden nicht un-
bedingt durch einzelne Events verändert, vielmehr ist bei bestimmten Ereig-
nissen die Aktivierung der Beziehungen möglich. Das Ziel der Vernetzungs-
analyse lag somit nach der Detailplanung der methodischen Umsetzung nicht
(mehr) darin, Wirkungen bestimmter Ereignisse zu bestimmen, sondern das
Wirkungspotential, das den Beziehungen und deren Aktivierung zugrunde
liegt, zu betrachten. Die Erhebungen in den Teams mobiler Jugendarbeit
sollten zusätzlich durch ergänzende Interviews mit VertreterInnen der institu-
tionellen NetzwerkpartnerInnen validiert werden.
Um die möglichen Effekte von Vernetzungen auf institutioneller Ebene
zu beleuchten, wurden die Beziehungen der Einrichtungen aus der Ego-
Perspektive der Teams mobiler Jugendarbeit in Wien und Niederösterreich
erhoben. Im Gegensatz zu Gesamtnetzwerken werden bei egozentrierten
Netzwerken nur bestimmte Beziehungen und Personen über die Nominierung
der befragten Person erfasst. Unter einem egozentrierten Netzwerk versteht
man „das um eine fokale Person, das Ego, herum verankerte soziale Netz-
werk“ (Jansen 2006: 80). Dabei galten die Projektträger bzw. die ausgewähl-
ten Teams mobiler Jugendarbeit als Ego und die von ihnen genannten Kon-
takte als „Alteri“. Im Gegensatz zu einer rein formalen Netzwerkanalyse, bei
der Strukturen von Beziehungen als zentrale Elemente gelten und Inhalte, die
Beziehungen in Kontexte einbetten, weitgehend außer Acht gelassen werden,
bestand das Anliegen der vorliegenden Studie darin, sowohl Strukturen als
auch Inhalte von Beziehungen zu erfassen. Dieser Gedanke ist von einem
grundsätzlich offenen, qualitativen Forschungszugang geleitet und entstand
nicht zuletzt in Anlehnung an die Netzwerkforscherin Betina Hollstein:
„Wenn man die Wirkungen (Funktionen, Leistungen) von Netzwerken sowie ihre Dy-
namik (Gestaltbarkeit, Veränderbarkeit) verstehen will, benötigt man beides: sowohl
Netzwerk-Strukturen als auch Akteure sowie schließlich auch eine Vorstellung von ih-
rem Zusammenspiel.“ (Hollstein 2008b, S. 92)
Damit beides – also Strukturen und Handlungen – sowie das Zusammenspiel
der Dimensionen beleuchtet werden kann, war ursprünglich geplant, quantita-
tive und qualitative Elemente in Erhebung und Auswertung zu berücksichti-
gen. Um diesem Vorhaben gerecht zu werden und auch relationale Maßzah-
len berechnen zu können, sollten die Mitglieder der jeweiligen Teams mobi-
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Buch Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse"
Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Titel
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Untertitel
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Autor
- Hemma Mayrhofer
- Verlag
- Verlag Barbara Budrich
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 378
- Schlagwörter
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Kategorie
- Geisteswissenschaften