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284 Andrea Werdenigg, Hemma Mayrhofer
sein, viele AnsprechpartnerInnen im Sozialraum zu haben, die im Bedarfsfall
aktiviert werden können. Ganz allgemein wurde die starke Einbindung in ein
sozialräumliches Bezugsnetzwerk in den Erhebungen sichtbar, als ein Indika-
tor hierfür lassen sich etwa die wiederholten Verweise auf Regionalforen
oder andere, teilweise themenspezifische, teilweise themenoffene Plattformen
betrachten, in denen unterschiedliche Stakeholder aus dem Sozialraum vertre-
ten sind. Diese Veranstaltungen finden regelmäßig statt, sie dienen dem Aus-
tausch sowie Initiieren fallweiser Zusammenarbeit und werden von den be-
fragten Professionellen der mobilen Jugendarbeit und anderen befragten
Stakeholdern aus dem Gemeinwesen als wichtige Institution geschätzt.
Die Studie von Tossmann et al. (2008, S. 112) kommt zum Ergebnis, dass
ein hoher Grad an Vernetzung zwischen den AkteurInnen innerhalb eines
Quartiers, Stadtteils bzw. einer Region als wichtiger Erfolgsindikator be-
trachtet werden kann. Selbst wenn in dieser Studie und auch in der gegen-
ständlichen Wirkungsevaluation nur annäherungsweise ein empirischer Wir-
kungsnachweis erbracht werden konnte, deuten die Ergebnisse der vorliegen-
den Evaluation dennoch mehrfach solche Wirkungen an, wie in Kapitel 14.3
dargestellt wurde. Auch die biografischen Fallstudien (vgl. Kap. 7 und 8)
lassen erkennen, wie die institutionellen Netzwerke der mobilen Jugendarbeit
zu einer Erhöhung und Diversifizierung der Adressierbarkeit der Jugendli-
chen beitragen, ihnen neue Kontakte ermöglichen und damit auch ihre Chan-
cen, wahrgenommen und berücksichtigt zu werden, steigern. Auch die Wich-
tigkeit des (präventiven) Zugriffs auf Informationen und Wissen der instituti-
onellen NetzwerkpartnerInnen für die Handlungs- und Wirkmöglichkeiten
der JugendarbeiterInnen wurde wiederholt sichtbar.
Auf Basis der gewonnenen Erfahrungen empfiehlt sich für künftige Wir-
kungsevaluationen in der mobilen Jugendarbeit (und vermutlich allgemein
der Offenen Jugendarbeit) lediglich eine fallweise Integration von Ansätzen
der Netzwerkforschung in sozialräumlich-ethnografische Fallstudien zu aus-
gewählten Interventionen der JugendarbeiterInnen. Ein möglicher Erkennt-
nisgewinn ist aber einerseits von den konkreten Ereignissen, die untersucht
werden sollen, abhängig. Vielversprechend könnte dies eventuell dann sein,
wenn die Netzwerkanalyse Auswirkungen auf die Beteiligung von Jugendli-
chen an Planungs- und Entscheidungsprozessen im Sozialraum sichtbar ma-
chen kann oder ihr Beitrag zur Problem- und Konfliktlösung zwischen Ju-
gendlichen und anderen AkteurInnen im Sozialraum erkennbar wird. Ande-
rerseits müssen auch die gewählten Methoden der Netzwerkforschung dem
spezifischen „Fall“ der Studie entsprechen. Die in der gegenständlichen Stu-
die erlangten methodischen Erkenntnisse legen nahe, dass qualitative Verfah-
ren der Beschaffenheit der Netzwerke in der mobilen Jugendarbeit eher ent-
sprechen als formale, hochstandardisierte Netzwerkanalysen.
Ergänzend könnten Analysen zur Beschaffenheit von Beziehungs- und in-
stitutionellen Netzwerken der Jugendlichen selbst erkenntnisreich sein. Ein
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Buch Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse"
Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Titel
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Untertitel
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Autor
- Hemma Mayrhofer
- Verlag
- Verlag Barbara Budrich
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 378
- Schlagwörter
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Kategorie
- Geisteswissenschaften