Seite - 301 - in Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
Bild der Seite - 301 -
Text der Seite - 301 -
Wirkungsevaluation anhand von Daten des Sicherheitsmonitors 301
Der wesentliche Vorteil des FE-Modells besteht darin, dass die Einflüsse
von allen zeitkonstanten Merkmalen kontrolliert werden, gleichgültig, ob sie
beobachtet werden oder nicht. Dieser Vorteil geht allerdings auch mit Nach-
teilen einher: Das FE-Modell hat in der Regel eine geringere statistische
„Power“48 als das RE-Modell, da es nur auf der within-Varianz basiert, d.h.,
dass die Effekte tendenziell seltener signifikant werden. Ein weiterer Nachteil
des FE-Modells besteht darin, dass die Effekte von zeitkonstanten Variablen
nicht geschätzt werden können (vgl. Diggle et al. 2002). Dies ist im Rahmen
des RE-Modells möglich, jedoch ist hier die Schätzung zeitkonstanter Vari-
ablen nicht von Interesse; FE-Modelle sind geeignet, kausale Effekte von
zeitveränderlichen Kovariaten (Einsatz der mobilen Jugendarbeit) zu be-
stimmen. Allerdings wird beim RE-Modell angenommen, dass sich die Regi-
onen in ihrer Ausstattung, ihren sozio-ökonomischen Gegebenheiten und der
jeweiligen Definition der Kern- und Erweiterungsregionen zufällig unter-
scheiden. Diese Annahmen sind hier jedoch insbesondere bei Panels mit
geringer Querschnittsdimension49 unrealistisch.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass FE-Schätzungen die
Ursache von Veränderungen innerhalb der einzelnen Regionen untersuchen.
Sie erforschen also den Zusammenhang zwischen Einflussvariablen (hier:
den Einsatz der mobilen Jugendarbeit) und Ergebnisvariablen (hier: Delikt-
zahl) innerhalb von Regionen. Dabei wird unterstellt, dass jede Region eige-
ne Charakteristika aufweist, die die Einflussvariablen beeinflussen können.
Diese Charakteristika können beispielsweise die Sozialstruktur der Region,
ökonomische Situation, Ausstattung mit Freizeitangeboten, Unterschiede bei
der Anzahl und der Dichte der Bevölkerung, bei den Flächen der Kern- und
erweiterten Regionen, aber auch Unterschiede in der Intensität oder Schwer-
punktsetzungen in der Polizeiarbeit betreffen. Der Vorteil der FE-
Schätzungen besteht darin, dass die unbeobachteten Charakteristika mit den
im Modell enthaltenen Einflussfaktoren korreliert sein dürfen. Daher ist die
FE-Schätzung besonders gut für die Analyse des Einflusses von Variablen
geeignet, die im Zeitverlauf (hier: Interventionen) variieren. Das RE-Modell
unterstellt diese regionsspezifischen Charakteristika nicht. Diese Überlegun-
gen führten dazu, dass trotz der Ergebnisse des Hausman-Tests50 (vgl. Tabelle
19) FE Modelle berechnet wurden. Diese FE-Modelle werden im folgenden
Abschnitt vorgestellt.
______________________
48 Power oder Macht des statistischen Tests gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass das statisti-
sche Testverfahren einen real existierenden Zustand auch tatsächlich erkennt.
49 Hier bilden die vierzehn Regionen die Querschnittsdimension.
50 Der Hausman-Test kann herangezogen werden, um zu entscheiden, ob bei Panelmodellen
eher ein fixed-effects-Modell oder ein random-effects-Modell vorliegt.
zurück zum
Buch Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse"
Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Titel
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Untertitel
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Autor
- Hemma Mayrhofer
- Verlag
- Verlag Barbara Budrich
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 378
- Schlagwörter
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Kategorie
- Geisteswissenschaften