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316 Hemma Mayrhofer
nicht umsetzen, die Erfahrungen mit dem anschließend realisierten, stärker
qualitativ ausgerichteten Vorgehen sind gemischt:
• Die äußerst flexible und sich laufend verändernde Beschaffenheit und
Arbeitsweise der Netzwerke mobiler Jugendarbeit lassen sich, so der
gewonnene Eindruck, über standardisierte Erhebungsinstrumente, wie sie
der strukturalen oder formalen Netzwerkanalyse entsprechen, nicht adä-
quat erfassen, da diese eine unzulässige Komplexitätsreduktion der Be-
ziehungsstrukturen und -dynamiken ‚erzwingen‘. Die realisierten quali-
tativ-deskriptive Netzwerkanalysen auf allgemeiner Ebene (d.h. ohne
konkrete Verknüpfung mit einem abgrenzbaren Ereignis) hingegen ver-
mochten zwar die Arbeitsweise dieser Netzwerke und ihre potenziellen
Effekte sichtbar zu machen, ließen aber keine fundierten Wirkungs-
nachweise generieren. Solche Verfahren in Wirkungsevaluationen zu in-
tegrieren empfiehlt sich somit nur in Kombination mit spezifischen sozi-
alräumlich-ethnografischen Fallstudien, in denen institutionelle Netz-
werke in besonderer Weise als wirkungsrelevant zu vermuten sind.
• Möglicherweise könnte auch die Analyse der Qualität von Beziehungs-
und institutionellen Netzwerken der jugendlichen NutzerInnen sowie
eventuelle Veränderungen dieser Netzwerke durch mobile Jugendarbeit
interessante Wirkungserkenntnisse bereitstellen. Solch ein Ansatz wäre
allerdings in künftigen Evaluationsstudien noch zu erproben.
Die sekundärstatistischen Auswertungen von Längsschnittdaten (2005-2014)
des Sicherheitsmonitors zu acht Interventionsgebieten mobiler Jugendarbeit
sowie sechs Vergleichsgebieten waren durch die Projektkooperation mit dem
Bundeskriminalamt/BM.I möglich geworden und steuerten ergänzend statis-
tisch abgesicherte Wirkungshinweise in Bezug auf strafrechtlich relevantes
Verhalten der Zielgruppen mobiler Jugendarbeit bei:
• Das Datenmaterial erlaubte einen Vorher-Nachher-Vergleich, da die
Einrichtungen an manchen Einsatzgebieten ihre Tätigkeit erst nach 2005
aufgenommen hatten. Die Delikte ließen sich auch räumlich sehr präzise
mit den Tätigkeitsgebieten der JugendarbeiterInnen verknüpfen. Die Da-
tenanalyse in vier fixed-effect-Panelmodellen berücksichtigte differieren-
de Variablen (Intervention & Interventionsdauer, allgemeine Trendwen-
de nach 2007, saisonale Unterschiede, Periodeneffekte etc.). Die Ergeb-
nisse zeigten – für das Forschungsteam eher unerwartet – tatsächlich sig-
nifikante Zusammenhänge, d.h. statistisch gesicherte Nachweise über die
Reduktion von Delikten mit jugendlichen Tatverdächtigen in den Tätig-
keitsgebieten und -zeiträumen mobiler Jugendarbeit.
• Für sich allein würden diese Ergebnisse aber schwierig zu interpretieren
sein, da in den Berechnungen erstens viele nicht näher bekannte Kon-
textfaktoren nicht berücksichtigt werden konnten; es erscheint insofern
angemessener, von starken Wirkungsindizien zu sprechen. Zweitens er-
möglichen die statistischen Analysen keine Erkenntnisse darüber, WIE
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Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Titel
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Untertitel
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Autor
- Hemma Mayrhofer
- Verlag
- Verlag Barbara Budrich
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 378
- Schlagwörter
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Kategorie
- Geisteswissenschaften