Seite - 323 - in Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
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Zusammenfassung und Gesamtreflexion der Wirkungserkenntnisse 323
Verfügung stehen und nun auch Dialog als wirkungsvolle Möglichkeit
der Interessensaushandlung erkannt wird. Die Fallstudie „Roxane“ zeigt
zusätzlich auf, dass Jugendliche, denen selbst Gewalt angetan wurde,
von Seiten der JugendarbeiterInnen Unterstützung erfahren, um die Ge-
walterlebnisse bearbeiten und sich künftig besser vor ihnen schützen zu
können. Mobile Jugendarbeit erschloss für die Jugendliche bzw. später
junge Erwachsene auch Zugänge zu Institutionen des österreichischen
Rechtsstaates, die ohne diese Unterstützung höchst ungewiss gewesen
sein dürften. Die Auswertungen der Sicherheitsmonitor-Daten weisen
darüber hinaus statistisch nach, dass in den Einsatzgebieten mobiler Ju-
gendarbeit nach Aufnahme deren Tätigkeit im Vergleich zu vorher we-
niger Körperverletzungen durch die Exekutivbeamten wahrgenommen
wurden. Mit zunehmender Einsatzdauer der mobilen Jugendarbeit an den
Orten kommt es zu einer signifikanten Reduktion der Körperverletzun-
gen. Auch bei Sachbeschädigungen kann in der Einsatzzeit der mobilen
Jugendarbeit ein Rückgang der Deliktfälle festgestellt werden, dieser ist
allerdings statistisch weniger stark abgesichert.
• Am Beispiel des Umgangs mobiler Jugendarbeit mit Situationen, in
denen sie Suchtmittel konsumierende Jugendliche treffen oder mit ihnen
über Drogenkonsum sprechen, wird deutlich, dass die JugendarbeiterIn-
nen im öffentlichen Raum eine „niedrigschwellige pädagogische Situati-
on“ (Deinet/Krisch 2013, S. 416) realisieren. Vor allem bei Erstkontak-
ten steht, so zeigten die Einblicke in der sozialräumlichen Fallstudie zu
einem Park im städtischen Raum, der vertrauensvolle Beziehungsaufbau
im Vordergrund, generell wird direkte Kritik am Verhalten Jugendlicher
relativ sparsam eingesetzt. Entsprechend überraschen die Ergebnisse der
Fragebogen-Erhebung wenig: Mehrheitlich wird ein geringer konsumre-
duzierender Einfluss der JugendarbeiterInnen auf das eigene Verhalten
beobachtet, allerdings teilweise auch deshalb, weil ohnehin keine oder
kaum Suchtmittel (Drogen, Alkohol, Zigaretten) konsumiert werden.
Und die multivariaten statistischen Analysen lassen erkennen, dass Ju-
gendliche, die intensiver in Kontakt mit der mobilen Jugendarbeit stehen,
in signifikant höherem Ausmaß entsprechende Wirkungen bei sich
wahrnehmen. Die erwähnte sozialräumliche Fallstudie und die anschlie-
ßende Diskussion der Eindrücke in einem Workshop mit den Jugendar-
beiterInnen ließ auch sichtbar werden, dass mobile Jugendarbeit ver-
sucht, Alternativen zum „Abenteuerspielplatz Drogenszene“ anzubieten.
Darüber hinaus bestehen enge Kontakte mit anderen in diesem Feld akti-
ven AkteurInnen, etwa mit auf Suchtproblematiken spezialisierten Hilfen
oder der Exekutive.
• Die gewonnenen empirischen Erkenntnisse bestätigen mehrfach, dass
Jugendliche bei Problemen oder Sorgen auf die aufgebaute Vertrauens-
beziehung zu den JugendarbeiterInnen zurückgreifen und diese als Un-
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Buch Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse"
Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Titel
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Untertitel
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Autor
- Hemma Mayrhofer
- Verlag
- Verlag Barbara Budrich
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 378
- Schlagwörter
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Kategorie
- Geisteswissenschaften