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330 Hemma Mayrhofer
• Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen, dass JugendarbeiterInnen in unter-
schiedlichen Dimensionen (Konfliktverhalten, nicht-diskriminierende
Einstellungen etc.) eine beachtliche Vorbildwirkung auf die Jugendli-
chen entfalten können, sie werden – jedenfalls in einem gewissen Aus-
maß – häufig als role models akzeptiert. Allerdings ermöglichen manche
Begegnungen im öffentlichen Raum nur sehr kurze Kontakte und redu-
zierte soziale Interaktionen (kurze Informationen über das eigene Befin-
den bzw. bevorstehende Events etc.), sodass die Frage zu reflektieren ist,
in welchem Ausmaß in solchen Begegnungen vorbildhafte Verhaltens-
weisen überhaupt erfahrbar werden können. Dies lässt es ratsam erschei-
nen – und dies passiert in der Praxis auch, sehr bewusst die Verknüpfung
von ‚einfachen‘ Outreach-Begegnungen mit solchen Begegnungsmög-
lichkeiten und Freizeitangeboten zu gestalten, die längere Kontakte und
intensivere bzw. komplexere Interaktionen ermöglichen, aber nicht er-
zwingen (z.B. Feste, Freizeitevents, Journaldienst in Anlaufstelle etc.,
aber auch regelmäßige, längere Kontakte im Outreach, so es gelingt, sol-
che zu realisieren).
• Aus den Erfahrungen mit der Forschungsmethode des lebensgeschichtli-
chen Interviews kann die Anregung abgeleitet werden, auch für die mo-
bile Jugendarbeit zu prüfen, inwieweit Ansätze der Biografiearbeit mit
den Jugendlichen in den Rahmenbedingungen dieses Tätigkeitsfeldes
möglich und sinnvoll sein könnten. Die Erkenntnisse der Forschung las-
sen aber noch keine Antwort darauf zu, ob solche Ansätze tatsächlich in
den mobilen Arbeitskontext integrierbar sind, dies muss die Fachpraxis
beantworten.
• Aufwändigere Projekte wie die Ermöglichung und Begleitung eines von
Jugendlichen selbstverwalteten Jugendtreffs können in manchen Kons-
tellationen besondere persönliche Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.
Sie sind aber auch relativ hochschwellig und stellen viele Anforderungen
an die Jugendlichen, aber auch die JugendarbeiterInnen, deshalb sollten
solche Interventionsansätze sorgfältig geprüft werden. Die hierzu in Ka-
pitel 7.5. zusammengefasste Expertise der JugendarbeiterInnen bietet
wertvolle Reflexionsanregungen dafür.
• Engagieren sich JugendarbeiterInnen in Konfliktvermittlungen zwischen
Jugendlichen und anderen AkteurInnen im Gemeinwesen, so ist sorgfäl-
tig zu reflektieren, welche Rolle sie dabei in der konkreten Konfliktkons-
tellation einnehmen können und welche ihnen von den Konfliktbeteilig-
ten zugewiesen wird. Die für die Mediationsaufgabe essenzielle allpar-
teiliche Rolle steht in einem gewissen Widerspruch zu ihrer (professio-
nell reflektierten) Parteilichkeit für die Jugendlichen. Eine dezidierte
Mediationsrolle im Gemeinwesen zählt auch nicht zum Aufgabenbereich
von JugendarbeiterInnen, so betonen PraxisvertreterInnen. Deshalb er-
scheint es ratsam, die Konfliktvermittlung an Dritte abzugeben, sofern
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Buch Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse"
Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Titel
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Untertitel
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Autor
- Hemma Mayrhofer
- Verlag
- Verlag Barbara Budrich
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 378
- Schlagwörter
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Kategorie
- Geisteswissenschaften