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Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
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Segmentierung gesprochener Sprache | 145 kompakte Strukturen vor, in denen das Subjektspronomen der 2. Person Singu- lar, und damit einer der Valenzaktanten, nicht realisiert wird. Dabei handelt es sich um dialektal unmarkierte Konstruktionen wie die folgenden: Beispiel 28: Mar: beim butten MUASCH_s jo schlogen; [JD 3, Z. 215] 'Beim Butten [im Golf] musst [du] es ja schlagen.' Beispiel 29: Fel: wos HOSCH_n; [JD 3, Z. 248] 'Was hast [du] denn.' Beispiel 30: Mag: (---) vielleicht triffsch jo in (--) roNALdo- [JD 4, Z. 654] 'Vielleicht triffst [du] ja den Ronaldo.' Pro-drop-Konstruktionen dieser Art kommen in den beiden Dialektkorpora JD und ED in hoher Frequenz vor. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit ihren formalen und funktionalen Charakteristika findet sich in Kapitel 4.4.2. Wie oben bereits angesprochen wurde, finden sich in mündlicher Kommu- nikation nicht nur kommunikativ vollständige nicht-satzförmige Einheiten – es kann auch (gerade in Gruppenkommunikation mit mehr als zwei Gesprächs- partner/-innen) passieren, dass eine Intonationsphrase aufgrund einer Unter- brechung bzw. eines Abbruchs der Konstruktion nicht zu Ende geführt werden kann. Bei diesem Ausstieg199, der entweder interaktiv oder eigenaktiv passiert, können zwar syntaktische und semanto-pragmatische Projektionen aufgebaut werden, mindestens eine dieser syntaktischen Projektionspotenzen wird aber nicht realisiert (vgl. Hennig 2006: 271). Im Gegensatz zu den KomS werden in diesen als Anakoluthe (AK) klassifizierten Intonationsphrasen aber nicht nur syntaktische, sondern auch semanto-pragmatische Projektionen abgebrochen: Beispiel 31: JD 14, Z. 593-595: „FKK-Strand“ 593 Mel: geschtern woa in fernsehen ge ef ka KAstrond. 594 (--) non sein a poa (---) ähm- || 199 Zu verschiedenen Subtypen der Anakoluthe und ihrer detaillierten Beschreibung sei auf Hoffmann (1991; 1997: 444466) und Hennig (2006: 160 und 260) verwiesen. In Bezug auf die hier angewandte Einheitentypologie muss festgehalten werden, dass von den in der Fachlitera- tur erwähnten Subtypen Ausstieg, Retraktion und Umstieg lediglich der Ausstieg mit seinem Charakteristikum der fehlenden Gestaltschließung als „echtes“ Anakoluth gewertet wird, während es sich bei den beiden letzteren vielmehr um „on-line“ prozessierte Reparaturvorgän- ge handelt. Daher werden Retraktionen (rückgreifende Bearbeitungen) und Umstiege auf einen leicht abgeänderten syntaktischen Aufbau zu Kennzeichen der möglichen Sätze (MS) gezählt.
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Jugendkommunikation und Dialekt Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Titel
Jugendkommunikation und Dialekt
Untertitel
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Autor
Melanie Lenzhofer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-050330-2
Abmessungen
14.8 x 22.0 cm
Seiten
502
Kategorie
Geographie, Land und Leute
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