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Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
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146 | Theoretische Voraussetzungen 595 Jul: =mah do müass i da hetz irgendwos erZÄHlen; 'Mel: Gestern war im Fernsehen ein FKK-Strand. Dann sind ein paar- Jul (mit schnellem An- schluss): Da muss ich dir jetzt etwas erzählen.' Die Schülerinnen Mel und Jul unterhalten sich hier über verschiedene Möglich- keiten, den Urlaub zu verbringen. Sprecherin Mel setzt gerade zu einer Ausfüh- rung zum Thema FKK-Strände an, als sie von Jul jäh unterbrochen wird. Mels Äußerung in Zeile 594 wird dadurch abgebrochen, die vom Verb und dem unbe- stimmten Artikel ausgehenden syntaktischen Projektionen sowie die dazugehö- rigen semanto-pragmatischen Projektionen werden nicht eingelöst und die Äußerung kann von den Hörer/-innen nicht widerspruchsfrei interpretiert wer- den. Kennzeichnend für einen solchen Ausstieg als anakoluthische Konstrukti- on ist also, dass „[d]er angezielte Punkt einer Gestaltschließung nicht erreicht“ und „insofern eine Fortsetzungserwartung nicht erfüllt [wird]“ (Hoffmann 1997: 447). Von den bisher genannten Einheitentypen KS, MS, KomS und AK sind jene Äußerungen abzugrenzen, in denen keinerlei syntaktische Projektionen aufge- baut werden und die keine referentiellen, sondern vielmehr diskursorganisato- rische Funktionen übernehmen und/oder Emotionen der Gesprächsteilneh- mer/-innen transportieren. Ersteres ist etwa bei hörer-seitigen Kontaktsignalen (z.B: m_hm, ja), sprecherseitigen äußerungseinleitenden Signalen (z.B. na ja, also), rederechtssichernden Fortsetzungssignalen bzw. Zögerungssignalen (z.B. äh) oder Rückfragepartikeln (z.B: ne?, gell?, ge?, oder?) der Fall. Emotionen und Einstellungen des Sprechers/der Sprecherin werden zusätzlich durch Interjekti- onen wie au, oho, tja, ui etc. vermittelt.200 Neben diesen prototypischen Dis- kursmarkern wurden bisher auch Operatoren in Operator-Skopus-Strukturen (z.B.: kurz und gut – der Abend war fürchterlich.)201 und sich aus einer anderen Wortart aufgrund von Grammatikalisierungs- bzw. Pragmatisierungs-Prozessen zu Diskursmarkern gewandelte Einheiten (z.B.: die Subjunktionen weil oder || 200 Fraser (1996: 186) fasst die Funktionsweisen von Diskursmarkern wie folgt zusammen: Ein Diskursmarker ist ein Ausdruck, „which signals the relationship of the basic message to the foregoing discourse. [Discourse markers] do not contribute to the representative sentence meaning, but only to the procedural meaning: They provide instructions to the addressee on how the utterance to which the discourse marker is attached is to be interpreted.“ 201 Detaillierte Analysen von Operator-Skopus-Strukturen finden sich in Bar- den/Elstermann/Fiehler (2001) und Fiehler et al. (2004: 239).
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Jugendkommunikation und Dialekt Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Titel
Jugendkommunikation und Dialekt
Untertitel
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Autor
Melanie Lenzhofer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-050330-2
Abmessungen
14.8 x 22.0 cm
Seiten
502
Kategorie
Geographie, Land und Leute
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