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Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
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Segmentierung gesprochener Sprache | 161 35,07% und ED 6: 33,01%), doch auch in kleineren Gruppen, z.B. in ED 1 mit nur zwei Sprecherinnen, sind relativ zur Gesamt-Tokenanzahl des Gesprächs zahl- reiche Nähezeichen belegt (31,63%). Ob das niedrigste Vorkommen der Nähe- zeichen in der einzigen reinen Männergruppe (ED 2: 27,67%) eventuell auf genderlektale Unterschiede gründet, muss anderen Untersuchungen vorbehal- ten bleiben. Da sich dieser Befund aber in den Gesprächen der jugendlichen Osttiroler/-innen nicht wiederholt (der niedrigste relative NZ-Wert ist hier in einer Mädchengruppe aus Lienz angezeigt – JD 13: 16,23%), ist dieser Argumen- tationsweg wohl vorerst als nicht sehr vielsprechend einzustufen. In Teilkorpus GF („Gespräche im Fernsehen“) mit standardnahen Gesprä- chen hebt sich in der Verteilung der Einheitentypen v.a. das Gespräch GF 047B von den anderen ab. Es zeigt in drei Kategorien, die Nähesprachlichkeit kenn- zeichnen – KomS, AK und NZ –,209 den jeweiligen Höchstwert im Vergleich zu den anderen Gesprächen des Teilkorpus GF an: Die Sprecher/-innen in GF 047B realisieren 24,84% aller Intonationsphrasen als kompakte Strukturen, 7,57% als Anakoluthe und 24,51% als Nähezeichen, während nur 36,84% als kanonisch geschriebensprachliche Sätze belegt sind. Im Vergleich mit dem Höchstwert in dieser Kategorie (68,61% in Gespräch GF 254A) deuten sich hier große Unter- schiede innerhalb des Teilkorpus GF an, die wohl in der unterschiedlichen Kon- zeption und thematischen Ausrichtung der Gespräche begründet sind: Beim Gespräch GF 047B handelt es sich um einen Ausschnitt aus der Sendung „Dall- As“ mit Moderator Karl Dall, einer Comedy-Talkshow mit prominenten Gästen (in dieser Aufnahme etwa u.a. mit Schlagersängerin Heidi Brühl), die in locke- rem Plauderton ohne konkrete (bzw. zumindest für die Fernsehzuseher/-innen nicht erkennbare) thematische Fokussierung gehalten ist. Die Aufnahme GF 254A ist dagegen eine vom deutschen Journalisten Wolfgang Herles mode- rierte Talkshow, in der sich der Kirchenkritiker Eugen Drewermann und der damalige (1995) Stuttgarter Bischof Walter Kasper unter Einbezug einiger Dis- kussionsbeiträge aus dem Publikum in einem Streitgespräch austauschen. Die- ses Gespräch ist viel stärker durch den Moderator vorstrukturiert als die Talk- Runde mit Karl Dall, etwa auch hinsichtlich der Rederechtszuteilung durch den Gesprächsleiter. Dass daraus – und aus der rhetorischen Vorbildung der Ge- sprächs-teilnehmer/-innen – eine stärkere distanzsprachliche Prägung und eine geringere Anzahl an Anakoluthen und Nähezeichen in GF 254A resultiert, liegt || 209 Vgl. dazu Tabelle 10 in Hennig (2006: 280), die die Verortung von Ellipsen (hier: kompak- ten Strukturen) und Anakoluthen im Nähe-Distanzmodell verdeutlicht, bzw. die Festlegung von Nähezeichen als „Oberbegriff für alle durch die Parameter des Nähesprechens bedingte[n] rein nähesprachliche[n] Sprachzeichen“ (Hennig 2006: 290).
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Jugendkommunikation und Dialekt Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Titel
Jugendkommunikation und Dialekt
Untertitel
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Autor
Melanie Lenzhofer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-050330-2
Abmessungen
14.8 x 22.0 cm
Seiten
502
Kategorie
Geographie, Land und Leute
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