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180 | Empirische Analysen
Beispiel 52: GF 204 B, Z. 198ff.: „Krieg und Wirtschaft“
198 RJ: und es ist meiner ansicht nach dieser
199 RJ: krieg AUch entstanden (--) weil es um
200 RJ: wirtschaftliche interessen ging;
Hier wird die Ursache (weil es um wirtschaftliche Interessen ging) für das fakti-
sche Geschehen (es ist ein Krieg entstanden) angegeben. Im übergeordneten
Satz kann ein Korrelat (z.B. darum, deshalb, deswegen)227 stehen, das die kausale
Beziehung des weil-Satzes mit dem Bezugssatz unterstützt.228
Während also die Grundfunktion eines subordinierenden weil-Satzes die
faktische Begründung ist, wird für koordinierende weil-Sätze in der Fachlitera-
tur meist die epistemische Begründung als charakteristisch beschrieben.229 Hier
beruht der Kausalsatz somit nicht auf Tatsachen, sondern auf dem Wissen, der
Erfahrung des Sprechers. Die Frage, die beantwortet wird, lautet „Warum
glaubst du, das zu wissen? Wie kommst du darauf?“ und nicht wie im subordi-
nierenden weil-Satz: „Aufgrund welcher Sachverhalte ist das so?“. Folgendes
von Günthner (1993: 42) konstruierte Minimalpaar veranschaulicht dies tref-
fend:
Beispiel 53:
(a) Harry kommt später, weil – ich habe mit seiner Frau geredet.
(b) Harry kommt später, weil ich mit seiner Frau geredet habe.
||
227 Bei den südbairischen Dialektsprechern der untersuchten Teilkorpora kommt besonders
häufig die Gradpartikel nur als Korrelat zum Einsatz, vgl.: de kemmen sich olle so gscheit vor lei
weil se tonzen kennen (Teilkorpus JD, 3) (die kommen sich alle so gescheit vor nur weil sie
tanzen können). Näheres zu weil im Hervorhebungsbereich von Gradpartikeln findet sich bei
Zifonun et al. (1997: 23012302).
228 In Beispiel (52) ist das Korrelat deshalb implizit erahnbar: Es ist meiner Ansicht nach dieser
Krieg auch (deshalb) entstanden, weil es um wirtschaftliche Interessen ging.
229 In neueren Untersuchungen wird darauf hingewiesen, dass auch weil-Verbletztsätze eine
epistemische Begründung ausführen können. Antomo/Steinbach (2010) zeigen, dass dies eng
mit der prosodischen Realisierung der weil-Konstruktion zusammenhängt. Sie halten fest,
„dass bei eindeutiger Integration des weil-Satzes nur die propositionale Lesart zugänglich ist.
Ein WVL kann aber, wie schon erwähnt, auch prosodisch desintegriert realisiert werden. […] In
diesem Fall kann er als epistemische Einstellungsbegründung auf die illokutionäre Ebene
bezogen werden“ (Antonomo/Steinbach 2010: 18).
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Titel
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Untertitel
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Autor
- Melanie Lenzhofer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Abmessungen
- 14.8 x 22.0 cm
- Seiten
- 502
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute