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198 | Empirische Analysen
cher/-innen ein Zusammenhang zum Vorkommen von koordinierendem weil
festgestellt werden. In Teilkorpus ED kommen in allen sechs Gesprächen in
relativ gleichmäßiger Verteilung weil-Konstruktionen mit Verbzweit- oder Verb-
früherstellung vor, in Teilkorpus JD ist von den fünfzehn untersuchten Gesprä-
chen lediglich in einem (JD 23) keine einzige weil-Konstruktion mit Verbzweit-
stellung, und auch kein Beleg für weil mit einer anderen Verbstellungsvariante
belegt. Dies erstaunt hinsichtlich der in allen Freizeitgesprächen gleichermaßen
durchgehaltenen Aufnahmevariablen (vgl. die Beschreibung der Teilkorpora in
Kapitel 2). Dittmar/Bressem (2005) merken jedoch an, dass die Tendenz zur
Durchführung von Begründungen mittels weil, denn oder da (anstatt einer kau-
salen Adverbiale) durchaus auch idiolektal begründet ist. „Es gibt weil-
kommunikaphile und weil-kommunikatiphobe Benutzer. In gewissem Maße
haben Sprecher also auch kausale Stile“ (Dittmar/Bressem 2005: 116). Im Ver-
gleich mit den Ergebnissen bei Dittmar/Bressem, die das Vorkommen von weil
mit Verbzweitstellung im „Berliner Wendekorpus“ untersuchen, ergibt sich im
Übrigen ein bemerkenswerter Unterschied zu den hier vorliegenden Daten: In
Bezug auf das Alter der Sprecher/-innen in den von Dittmar und Bressem unter-
suchten Interviews zum Berliner Mauerfall stellen die Autoren nämlich fest:
„Lediglich in der Gruppe der 50- bis 60-Jährigen ist weil + Vzweit nicht belegt.“
(Dittmar/Bressem 2005: 116). In den Gesprächen der Erwachsenen aus Osttirol
ist dagegen weil-Verbzweit auch bei den Proband/-innen im Alter zwischen 50
und 60 Jahren belegt. Der Faktor der regionalen Bindung könnte also auch mit
dem des Alters korrelieren – dies müsste in weiterführenden Untersuchungen
mit verschiedenen Regionen des deutschsprachigen Raums überprüft werden.
4.2.2 Relativ(satz)konstruktionen
Ähnlich wie bei den eben besprochenen weil-Konstruktionen und ihren ver-
schiedenen Verbstellungsvarianten, so werden auch Relativ(satz)-
konstruktionen249 mit Verbzweitstellung in der Gesprochene-Sprache-Forschung
als allgemeines Merkmal (konzeptionell250) mündlicher in Abgrenzung zu (kon-
||
249 Wenn im Folgenden von Relativsätzen die Rede ist, so soll dabei beachtet werden, dass in
mündlicher Kommunikation nicht jeder Relativanschluss satzförmig geäußert sein muss. Die
Verwendung des Begriffs Relativ(satz)konstruktionen (vgl. Birkner 2008, Webelhuth 2011) soll
diesen Umstand ins Bewusstsein holen. Allgemein zur Problematik der Kategorie Satz vgl. die
Kapitel 3.2. und 3.3.2.2.
250 Zur Unterscheidung zwischen konzeptioneller und medialer Mündlichkeit bzw. Schrift-
lichkeit sei auf Koch/Oesterreicher (1985; 1994; 2007) verwiesen. Eine Erweiterung dieses
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Titel
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Untertitel
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Autor
- Melanie Lenzhofer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Abmessungen
- 14.8 x 22.0 cm
- Seiten
- 502
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute