Seite - 202 - in Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Bild der Seite - 202 -
Text der Seite - 202 -
202 | Empirische Analysen
– wenn es sich beim Bezugswort um einen substantivierten Superlativ han-
delt (das Schönste, was…)
– wenn es sich beim Bezugswort um ein Indefinitpronomen oder ein Zahlwort
handelt (Alles/Nichts/Manches/Vieles, was…)
Neben was können weiterführende Relativsätze auch durch wo durchgeführt
werden, allerdings beschränkt auf lokale und temporale Verwendungszusam-
menhänge (vgl. Eisenberg 2006: 277). Die Autor/-innen des Duden „Richtiges
und gutes Deutsch“ (2011: 789) halten dementsprechend fest:
Auch der weiterfĂĽhrende Anschluss mit dem lokalen Relativadverb wo gilt als stan-
dardsprachlich korrekt, wenn es sich um einen räumlichen (oder auch um einen zeitli-
chen) Bezug handelt: Ich komme eben aus der Stadt, wo ich Zeuge eines Unfalls war.
Wie für weiterführende so gilt auch für freie Relativsätze, dass sie sich nicht auf
ein spezifisches Bezugsnomen beziehen. Während erstere den gesamten Satz
als Bezugselement aufweisen, sind letztere – eingeleitet durch Pronomen wie
wer, wen, was, wem – gänzlich ohne Bezugsgröße realisiert, z.B. „Wem er ver-
traut, hilft er auch.“ (Eisenberg 2006: 275).255 Weil freie Relativsätze aufgrund
ihrer Formidentität mit Fragepronomina nur schwer von indirekten Fragesätzen
abzugrenzen sind (z.B. Ich frage mich, wer morgen mitfährt.), nehmen sie in der
Fachliteratur eine Sonderstellung ein.256
So beziehen sich etwa auch Zifonun et al. (1997) nur auf die drei Haupt-
gruppen von Relativsätzen (restriktiv, appositiv, weiterführend), wenn sie deren
Funktion als
Reorientierung auf einen zuvor verbalisierten Redegegenstand zum Zweck der operativen
Einbettung einer Proposition, die an der Klarstellung des Gegenstands Anteil hat (restrik-
tiver Relativsatz), ĂĽber ihn Zusatzinformation bringt (appositiver Relativsatz) oder die
Vorgänger-position thematisch fortführt (weiterführender Relativsatz)
||
255 Im Deutschen werden Relativsätze meistens adnominal realisiert, nach Lehmann (1984:
4445) bilden sie als Satelliten Modifikationen zu ihrem Nukleus, dem Bezugsnominal. Wird ein
Relativsatz – wie es bei freien Relativsätzen der Fall ist – ohne Bezugsnominal realisiert,
kommt Lehmanns Unterscheidung zwischen dem semantischen und dem syntaktischen Nuk-
leus zum Tragen (vgl. Lehmann 1984: 45). Während jede Relativsatzkonstruktion einen seman-
tischen Nukleus aufweist, ist der syntaktische Nukleus bei freien Relativsätzen nicht gegeben
(vgl. dazu auch ausfĂĽhrlicher Birkner 2008: 2627).
256 Detailliertere Informationen zu dieser Abgrenzungsproblematik finden sich u.a. in Leh-
mann (1984: 45), Eisenberg (2006: 274) und Birkner (2008: 17).
zurĂĽck zum
Buch Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol"
Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Titel
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Untertitel
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Autor
- Melanie Lenzhofer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Abmessungen
- 14.8 x 22.0 cm
- Seiten
- 502
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute