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Parataxe und Hypotaxe | 217
konstruktionen, zwischen 10% und 13% ambige Konstruktionen, zwischen 31%
und 38% standardkonforme Relativkonstruktionen), während Teilkorpus GF
mit standardnaher gesprochener Sprache zum überwiegenden Großteil stan-
dardkonforme Relativ(satz)konstruktionen aufweist. Bis auf die Realisierungs-
variante der/die/das + was + Verbletztstellung finden sich aber auch in Teilkor-
pus GF Belege für alle – auch die nicht-standardkonformen – Belegtypen von
Relativ(satz)konstruktionen.
Insgesamt kann als Fazit zur Frequenzanalyse festgehalten werden, dass es
sich bei Relativ(satz)konstruktionen mit Verbzweitstellung nicht um ein ju-
gendpräferentielles syntaktisches Phänomen zu handeln scheint. RV2 kommen
in den Freundesgesprächen der jugendlichen nur geringfügig häufiger vor als in
jenen der erwachsenen Osttiroler/-innen und sind mit nur drei Beispielen sehr
selten belegt. Dass RV2 auch in Teilkorpus GF belegt sind, deutet aber darauf
hin, dass es sich hierbei auch nicht um ein für das Bairische (oder generell für
Dialekte) spezifisches Merkmal handelt, sondern dass RV2 generell in gespro-
chener Sprache vorkommen können.
Unter den Nonstandard-Varianten sind in den Gesprächen der Jugendlichen
v.a. Relativ(satz)konstruktionen mit der/die/das + was + Verbletztstellung und
was + Verbletzt-stellung häufig belegt (zusammen rund 48%). Damit ist also
nachgewiesen, dass diese schon vor Jahrzehnten in dialektologischen Arbeiten
beschriebenen Typen des Relativan-schlusses auch heute noch bei Jugendli-
chen in Osttirol im regen Gebrauch sind.272 Bei den jungen Proband/-innen aus
Osttirol lässt sich insgesamt eine Präferenz für Nonstandard-Realisierungs-
varianten feststellen: Mit nur rund 31% weist Teilkorpus JD im Vergleich mit
den beiden Teilkorpora mit Erwachsenenkommunikation (Teilkorpus ED: ca.
37%, Teilkorpus GF: ca. 93%) die deutlich niedrigste Frequenz an standardkon-
formen Relativsätzen auf.
Mit Blick auf die Einstufung dieser Nonstandard-Relativsatztypen hinsicht-
lich ihrer Dialektspezifik kann nur für die Variante mit der/die/das + was + Ver-
bletztstellung festgehalten werden, dass keinerlei Beispiele für diesen Belegtyp
in Teilkorpus GF zu finden sind. Auch wenn keine abgesicherten Aussagen zu
Details der regionalen Verbreitung von Relativ(satz)konstruktionen mit der was
getätigt werden können, deutet dies darauf hin, dass es sich zumindest um ein
nicht generell in gleichem Ausmaß in gesprochener Sprache vorkommendes
syntaktisches Phänomen handelt.
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272 Von den 15 Gesprächsaufnahmen der Osttiroler Jugendkommunikation ist lediglich in
einer Aufnahme (JD 6) keine der Nonstandard-Realisierungsvarianten belegt.
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Titel
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Untertitel
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Autor
- Melanie Lenzhofer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Abmessungen
- 14.8 x 22.0 cm
- Seiten
- 502
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute