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254 | Empirische Analysen
4.3.1.3 Syntaktische, semantische und pragmatische Einflussfaktoren
Zunächst soll der spezielle semantische Effekt der indefiniten Interpretation bei
Belegen der phrasenexternen Realisierung mit definitem Artikel noch einmal in
den Blick genommen werden. Androutsopoulos (1998: 353) führt dies auf den
ebenfalls als indefinit zu interpretierenden Gebrauch starktoniger Definitartikel
wie in „Das ist DER Trottel → Das ist ein besonders großer Trottel“ (Androutsop-
oulos 1998: 353) zurück. Die Starktonigkeit des Definitartikels sei im Laufe der
Zeit neutralisiert worden, was wiederum eine Verstärkung durch zusätzliche
Intensivierer wie voll/absolut/total begünstigte (z.B. Das ist total der Trottel,
nicht aber: ??Das ist total DER Trottel.). Androutsopoulos beschreibt davon
ausgehend eine Verbreitung der externen Intensivierung der definiten Nomin-
alphrase von festen Verbindungen (Phraseolexemen wie da geht voll die Post
ab) hin zu freien Verbindungen (z.B. das ist voll die Frechheit). Die in den
Freundesgesprächen der Südbairisch-Sprecher/-innen aus Osttirol vorfindliche
Artikelverdoppelung im Bairischen stellt dabei einen weiteren Variabilitätsfak-
tor in der Serialisierung der Nominalphrase dar, was zusätzlich die externe
Realisierung befördernd wirken könnte. Ob das gemeinsame Auftreten von
Belegen mit Artikelduplikation und jenen mit externer Realisierung der defini-
ten und indefiniten Nominalphrase über Osttirol hinaus auch in anderen Regio-
nen des bairischen Dialektraums in mündlicher Kommunikation Jugendlicher
vorzufinden ist, müsste jedoch erst anhand eines größeren Korpus geklärt wer-
den.
Die Annahme, dass die bairische Artikelverdoppelung einen Einflussfaktor
für die Stellungsvariabilität darstellt, verstärkt sich aber zusätzlich mit Blick auf
die syntaktisch ähnlich gebildeten Konstruktionen mit so ein- bzw. was für ein-.
Wie im Rahmen der Frequenzanalyse bereits erwähnt wurde, entspricht die
Serialisierung von Intensivierer, Artikel und Nomen bzw. Nominalphrase der
Wortstellung mit so ein- bzw. was für ein- (z.B.: Das ist voll die Niederlage. – Das
ist so eine Niederlage; vgl. Androutsopoulos 1998: 353). Merkle (2005: 89) fol-
gend ist in den bairischen Dialekten u.a. bei der intensivierenden Proform so
ein- die Artikelverdoppelung häufig belegt (z.B. Des is a so a Niederloge. ʹDas ist
eine so eine Niederlage.ʹ). Tatsächlich findet sich diese Variante auch in der
Osttiroler Jugendkommunikation in Alternation zur einfachen Artikelrealisie-
rung: Von 119 Belegen mit Intensivierungsproform so ein- sind etwas mehr als
ein Drittel (41 Belege) mit zweifachem indefinitem Artikel realisiert (a so a) und
etwas weniger als zwei Drittel mit standardkon-formem einmaligem Artikel (so
a) belegt. Analog zur oben beschriebenen externen Realisierung von expressi-
ven Intensivierern wie z.B. absolut (absolut der/ein Hammer) sind in den Freun-
desgesprächen der Jugendlichen Äußerungen wie Bsp. (159) belegt, aber auch
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Titel
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Untertitel
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Autor
- Melanie Lenzhofer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Abmessungen
- 14.8 x 22.0 cm
- Seiten
- 502
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute