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4.3.3.1 Mehrgliedrige Verbalkomplexe im Verbzweitsatz
Zunächst sollen Verbstellungsvarianten in mehrgliedrigen Verbalkomplexen in
Verbzweitsätzen (inklusive Verbfrüherstellung) und deren Verteilung in
Patockas Korpus sowie in den hier untersuchten Teilkorpora thematisiert wer-
den. Zum besseren Verständnis muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass
Patocka in seiner Beschreibung der Klammerstrukturen zwischen „Typen“ und
„Varianten“ unterscheidet:
Unter ‚Typen‘ werden hier Kookkurrenz-Typen verstanden, also Klammerkonstruktionen
aus Gliedern derselben Kategorie bzw. aus gleichartigen Kombinationen. ‚Varianten‘ sind
hingegen Reihenfolgevarianten, stellungsmäßig unterschiedliche Ausprägungen inner-
halb eines Typs. Sätze wie er hat arbeiten müssen und er hat müssen arbeiten repräsentie-
ren daher denselben Typ, sind aber zwei verschiedene Varianten. (Patocka 1997: 243-
244)372
Die verschiedenen Typen der Verbstellung in mehrgliedrigen Verbalkomplexen
in Stirn- und Kernsätzen fasst der Autor zu den folgenden Gruppen zusammen:
1. Konstruktionen, die nur in einer einzigen Variante im Korpus aufscheinen
und von denen Patocka annimmt, „daß es im Untersuchungsraum [= bairi-
sches Dialektgebiet Österreichs, Anm. ML] tatsächlich nur eine Abfolge
gibt“ (Patocka 1997: 247), es sich also um „Kookkurrenztypen mit invarian-
ten Reihenfolgen“ handelt.
2. Konstruktionen, die zwar vereinzelt zu einem Typ zwei Varianten aufwei-
sen, aber nur schwach belegt sind und daher „keine Variantengeographie
erlauben“ (Patocka 1997: 251).
3. Konstruktionen des Typs er hat arbeiten müssen ‒ er hat müssen arbeiten in
seiner dialektgeographischen Verteilung. Hier handelt es sich bei Patocka
aufgrund der großen Beleganzahl um den einzigen Fall, für den „die dia-
lektgeographische Verteilung im Untersuchungsraum mit einiger Genauig-
keit feststellbar“ (Patocka 1997: 248) ist.
Für die vom Autor als invariant beschriebenen Kookkurrenztypen wie z.B.
a. FINauxt{s} … PTII - PTauxpI (= II-I): finites Auxiliarverb (sein) +Partizip des Voll-
verbs + worden
bis hetzan (-) sin immer die jungen von (.) vom MARder gfressen gwoan. [JD 14, Z. 1532]
ʹBis jetzt sind immer die Jungen vom Marder gefressen worden.ʹ
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372 Dieser Begriff des „Typs“ bei Patocka kann wohl konzeptuell in Nähe der „sprachlichen
Variable“ bei Ammon (1995: 61) gerückt werden, wobei sich in Patockas Arbeit keine explizite
Verknüpfung der beiden Termini findet.
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Titel
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Untertitel
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Autor
- Melanie Lenzhofer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Abmessungen
- 14.8 x 22.0 cm
- Seiten
- 502
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute