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304 | Empirische Analysen
– 2 g: FINauxt … INFII - PT{haben, sein, helfen, legen, lernen, sehen}I (= II-I) :
hie und do a tog waar SCHON zun giahn gewesen; [ED 4, Z. 1775]
'Hie und da ein Tag wäre schon zu(m) gehen gewesen [man hätte gehen können].'
i hob se sunscht nie wos ESsen gsegn. [JD 18, Z. 167]
'Ich habe sie sonst nie etwas essen gesehen.'
FINauxt - PT{haben, sein, helfen, legen, lernen, sehen}I - INFII (= I-II):
bin i woll gewesen nochan FOAHN- [ED 4, Z. 171]
'Bin ich schon gewesen dann fahren.'
i hon se hetz amol beim de EM gsechen sitzen; [JD 8, Z. 406]
'Ich habe sie neulich beim Drogeriemarkt gesehen sitzen.'
Für den Serialisierungstyp 2 h schließlich finden sich in Teilkorpus ED und
Teilkorpus JD je ein Beleg, und zwar jeweils für die Nonstandard-Abfolge I-II:
– 2 h: FINauxt … PT{heißen, sich trauen}I - INFII (= I-II):
i hätt ma EH nicht getraut zu sogen; [ED 6, Z. 140]
'Ich hätte mich eh nichts getraut zu sagen.'
i_b mi nit bei da ondern nit getraut HUPfen; [JD 3, Z. 1480]
'Ich habe mich bei der anderen nicht getraut hüpfen.'
Ähnlich wie in den Aufnahmen, die Patocka untersucht hat, finden sich auch in
Teilkorpus JD und ED insgesamt zu wenige Belege für die eben genannten
Kookkurrenztypen377, als dass ein quantitativer Vergleich zwischen den jugend-
lichen und den erwachsenen Sprechern sinnvoll wäre.
Anders jedoch ist die Situation bei der Serialisierung der infiniten Prädi-
katsteile in der rechten Satzklammer mit Beteiligung von Modalverben378. Diese
oben unter Punkt 3 genannten Varianten des Typs er hat arbeiten müssen ‒ er
hat müssen arbeiten kommen auch in den von Patocka untersuchten Aufnah-
men des Phonogrammarchivs so häufig vor, dass der Autor Aussagen über die
Variantengeographie im bairischen Dialektraum Österreichs tätigen kann.379 In
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377 Teilkorpus GF zeigt keinerlei Belege für eine Variation in der Abfolge der Prädikatsteile im
Verbalkomplex - weder mit noch ohne Beteiligung von Modalverben.
378 Berücksichtigt wurden sowohl in Patockas als auch in der hier vorliegenden Analyse die
Modalverben dürfen, können, müssen, sollen, wollen sowie mögen (dialektal in zwei Bedeutun-
gen: ˈwollenˈ und ˈkönnenˈ) und brauchen (dialektal vorwiegend ohne Infinitivpartikel zu reali-
siert). Obwohl lassen ebenfalls modalverbähnlich verwendet werden kann (z.B. Das Auto lässt
sich noch reparieren.), wurde es hier ausgeklammert, da sich bei diesem Verb in den Teilkorpo-
ra ED und JD keinerlei Abfolgevariation zeigt. Zu diesem Schluss kommt auch Patocka (1997:
257) in Bezug auf die von ihm untersuchten Tonbandaufnahmen.
379 Dass die Modalverben die größte Variationsbreite und auch höchste Tokenfrequnez auf-
weisen, hält auch Schallert (2014a: 275) in Bezug auf seine Daten (Fragebögen mit Akzeptabili-
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Titel
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Untertitel
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Autor
- Melanie Lenzhofer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Abmessungen
- 14.8 x 22.0 cm
- Seiten
- 502
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute