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Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
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Serialisierung | 329 rungen mit I-II- zu jenen mit II-I-Abfolge in Teilkorpus JD umgekehrt. Nur rund 36% der Modalverbkomplexe in Hauptsatzkonstruktionen sind in den Freizeit- gesprächen der Jugendlichen in I-II-Abfolge belegt. Auch in Nebensatzkonstruktionen ist in der Osttiroler Freizeitkommunika- tion Stellungs-alternation v.a. in Verbalkomplexen mit Modalverbbeteiligung anzutreffen, so wie dies auch Patocka (1997) beobachtet hatte. Allerdings ist die Voranstellung des finiten Verbs (z.B. dass er nicht muss arbeiten) gegenüber der Nachstellung (z.B. dass er nicht arbeiten muss) nicht dominant. Nur rund 20% der belegten Nebensatzkonstruktionen mit Modalverbbeteiligung sind in den Osttiroler Kommunikaten in der I-II- bzw. I-II-III-Abfolge realisiert. Dabei ist eine geringere Tendenz zur Nonstandard-Abfolge bei den Jugendlichen festzu- stellen, wobei allerdings die Belegzahl nicht hoch genug ist, um statistisch ab- gesicherte Aussagen hinsichtlich des Faktors Alter tätigen zu können. Im Ver- gleich mit den Ergebnissen von Patocka (1997) lassen sich aber dennoch einige Unterschiede feststellen. So gibt Patocka für Belege mit dem Partizip von sein und einem Hilfsverb als finiter Verbteil (z.B. dass er müde gewesen ist – dass er müde ist gewesen) in Bezug auf Osttirol etwa an, dass hier die Voranstellung des finiten Verbs dominiere. Dies ließ sich anhand der gegenwärtigen Freizeitkom- munikation aus Osttirol jedoch nicht bestätigen. Die Ergebnisse der Frequenzanalyse legen insgesamt die Schlussfolgerung nahe, dass sich in der mündlichen Kommunikation Osttirols und damit im Sü- den Österreichs immer mehr die Nachstellung des finiten Verbs durchsetzt. Dies zeigt sich in der Serialisierung im Modalverbkomplex von Hauptsätzen, wo in den Jugendkommunikaten die I-II-Abfolge (er hat nicht müssen arbeiten) im Vergleich zu den erwachsenen Osttiroler/-innen signifikant seltener auftritt. Und auch in den Nebensatzkonstruktionen sind bei den Osttiroler Jugendlichen nur vereinzelt Konstruktionen mit I-II- bzw. I-II-III-Abfolge zu finden. Die Wahrscheinlichkeit, dass der regierende Verbteil in mehrteiligen Ver- balkomplexen vorangestellt wird, ist einerseits von grammatisch-semantischen, andererseits aber auch von pragmatischen Einflussfaktoren geprägt. Dabei spielen Anzahl und Semantik der Konstituenten eine große Rolle – aufgrund ihres semantischen Gewichts sind etwa Modalverben tendenziell häufiger in Voranstellung realisiert als Hilfsverben. Die I-II-Abfolge unterstützend wirkt diese hohe semantische Eigenständigkeit auch aus satzpragmatischer Perspek- tive. Mit Lötscher (2010: 611) sei dies noch einmal zusammengefasst: „Je eigen- ständiger satzsemantisch gesehen ein Element ist, desto eher kann es auch eine eigene rhematische Einheit darstellen. Rhematische Elemente werden aber bekanntlich bevorzugt an das Satzende positioniert.“ Dies ist auch sprachhisto- risch von Bedeutung: Das Deutsche entwickelte sich ja bekanntlich durch den
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Jugendkommunikation und Dialekt Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Titel
Jugendkommunikation und Dialekt
Untertitel
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Autor
Melanie Lenzhofer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-050330-2
Abmessungen
14.8 x 22.0 cm
Seiten
502
Kategorie
Geographie, Land und Leute
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