Seite - 331 - in Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Bild der Seite - 331 -
Text der Seite - 331 -
Kompaktheit | 331
zu ihren Strukturen und Funktionen“ (1998), dass es im Bereich der Syntax
jugendlichen Sprechens eine bevorzugte Verwendung elliptischer Strukturen
gebe (vgl. auch Reinke 1994: 299). Der Autor weist anschlieĂźend aber selbst auf
das – damals und auch heute noch bestehende – Desideratum empirischer
Untersuchungen in diesem Bereich hin: „Ob die Auftretenshäufigkeit einiger
dieser Merkmale alterspräferentiel[l] (und damit jugendtypisch) ist, muss als
offene empirische Frage dahingestellt werden.“ (Androutsopoulos 1998: 281)
Die sprachwissenschaftliche Beschreibung der „Verknappung“ sprachlicher
Strukturen als Charakteristikum der Jugendkommunikation reicht vom Verweis
auf eine verstärkte Tendenz zu Klitisierungen (vonne – von den) und phoneti-
schen Reduktionen (nich – nicht; vgl. Androutsopoulos 1998: 281) über Wortbil-
dungsverfahren wie Kurzwortbildung (z.B: Fuzo – Fußgängerzone; vgl. Androu-
tsopoulos 1998, 125ff.) und Wort-Amalgamierung (z.B. Mopfer – Mobbingopfer;
vgl. Langenscheidt 2014: 94) bis zur Verwendung von Inflektiven (z.B.
kotz/gähn/würg – das finde ich zum Kotzen/Gähnen/Würgen; vgl.
Schlobinski/Kohl/Ludewigt 1993: 2930; Reinke 1994: 298; Androutsopoulos
1998: 186) hin zu Phänomenen wie Ellipsen und Einwortäußerungen (z.B. Ka-
cke!; vgl. Androutsopoulos 1998: 326), dem Wegfall von Pronomen (z.B. …weil
ich hör die und die haben mir beigebracht.; vgl. Auer 2003: 263), dem Wegfall des
Artikels (z.B. der ist Hammer!; vgl. Androutsopoulos 1998: 187; Baradaranossa-
dat 2011: 39; Zimmermann 1993: 126) und dem Nicht-Realisieren von Präpositio-
nen (und Artikeln) (z.B. Wir gehen Stadtpark., vgl. z.B. Auer 2003: 263; Wiese
2012: 53; Siegel 2014).
Und auch in der (medial vermittelten) Ă–ffentlichkeit wird eine Tendenz zur
knappen Sprechweise Jugendlicher angenommen: Im Gegensatz zur wissen-
schaftlichen Literatur ist dies jedoch auch mit (zumeist negativen) Bewertungen
verknĂĽpft, denn in der Ă–ffentlichkeit schwanken die Meinungen zum Sprach-
gebrauch Jugendlicher zwischen „Jugendlichkeit“ als Prestigefaktor im Sinne
eines Ideals der ewigen Jugend und einer zumeist äußerst kritischen Haltung
gegenĂĽber dem Sprachgebrauch Jugendlicher. In diversen Foren und Kommu-
nikationsplattformen im Internet können Meinungen dazu nachgelesen werden
wie etwa die folgende eines österreichischen Lehrers mit dem Usernamen „Ste-
fan“:
zurĂĽck zum
Buch Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol"
Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Titel
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Untertitel
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Autor
- Melanie Lenzhofer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Abmessungen
- 14.8 x 22.0 cm
- Seiten
- 502
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute