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360 | Empirische Analysen
Belege mit temporaladverbialer Funktion im Vergleich zu den direktionalen und
lokalen Phrasen deutlich seltener auftreten (9%), zeigt die temporale Beleg-
gruppe bei den Jugendlichen aus Osttirol mit rund 33% nach den direktionalen
Phrasen das zweithäufigste Vorkommen. Auch wenn im Gegensatz zur hier
vorgenom-menen Auswertung in jener von Siegel (2014: 81) eine Restgruppe
(15%) mit Belegen unterschiedlicher nicht-lokaler und nicht-temporaler Seman-
tik aufgenommen wurde und dadurch die Prozentanteile der Lokal- und Tempo-
raladverbiale mit jenen in der hier durchgefĂĽhrten Auswertung nicht direkt
vergleichbar sind, so zeichnet sich doch ein deutlicher Unterschied in der Häu-
figkeit der Beleggruppen „direktional/lokal/temporal ohne Präposition“ in den
Gesprächen der Osttiroler gegenüber jenen der Stuttgarter Jugendlichen ab.
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass das von Auer (2013b) und Sie-
gel (2014) untersuchte Stuttgarter Datenkorpus nicht aus Freundesgesprächen,
sondern aus informellen Interviews mit der Exploratorin besteht. Vanessa Sie-
gel hält fest, dass es daher „durchaus möglich [ist], dass der Anteil reduzierter
Strukturen in reinen peer-group-Interaktionen höher ist“ (Siegel 2014: 92). Der
Einfluss durch die Anwesenheit der Exploratorin zeige sich u.a. in Sequenzen
mit Selbstreparaturen, an denen erkennbar sei, dass sich die Sprecherin bzw.
der Sprecher im letzten Moment doch noch für die Präposition entschieden
hätte. Ein Grund für das deutlich häufigere Vorkommen der präpositionslosen
Variante könnte also im höheren Vertrautheitsgrad und dem dadurch geringer
ausgeprägten sozialen Druck hinsichtlich sprachlicher Normen in den Osttiroler
Gesprächen liegen. Davon abgesehen scheint sich die Dominanz präpositions-
loser Strukturen in der Kommunikation von Jugendlichen mit Migrationshinter-
grund, wie sie bisher in der Fachliteratur der Jugendsprachforschung vermutet
wurde, im Vergleich mit den Gesprächsaufnahmen aus Osttirol nicht zu bestäti-
gen. Vielmehr ist sowohl bei den erwachsenen als auch bei den jugendlichen
Teilnehmer/-innen aus Osttirol eine Vielzahl präpositionsloser Äußerungen in
standard-grammatisch zu erwartenden Präpositionalphrasen mit Präposition zu
beobachten. Demzufolge ist der Präpositionswegfall weder als ethnischer Mar-
ker noch als altersexklusiver Marker anzusehen, jedoch lässt sich eine stärker
ausgeprägte Tendenz zum Nicht-Realisieren der Präposition unter den jugendli-
chen Osttiroler/-innen feststellen. Somit kann der Preposition drop – in Bezug
auf die Osttiroler Jugendlichen – als alterspräferentieller Marker bezeichnet
werden.
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Titel
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Untertitel
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Autor
- Melanie Lenzhofer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Abmessungen
- 14.8 x 22.0 cm
- Seiten
- 502
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute