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Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
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Kompaktheit | 371 Patocka weist jedoch selbst darauf hin, dass der Beleg nicht zweifelsfrei von (rhetorischen) Entscheidungsfragen abzugrenzen sei, „zumal diese nicht in jedem Falle eindeutig intonatorisch als solche markiert sind“ (Patocka 1997: 209). Es wird daher in der nachfolgenden Analyse zu prüfen sein, ob in den vorliegenden Teilkorpora ED, JD und GF generell Pro-Drop in Konstruktionen der 2.Pers.Sg. auftritt, und falls ja, ob das Phänomen nicht nur im Mittelfeld, sondern auch in Vorfeldposition belegt werden kann. Eine definitive Lizensierungsbedingung besteht in Bezug auf die Betontheit bzw. Unbetontheit des zu realisierenden Personalpronomens. So ist auch in den bairischen Dialekten Pro-Drop in einer Äußerung wie der folgenden ausge- schlossen: Beispiel 289: [name] wos willsch_n DU amol werden; [JD 4, Z. 1] '[Name], was willst denn DU einmal werden.' Dass und unter welchen Bedingungen der Wegfall des Personalpronomens im Bairischen möglich ist, hängt eng mit dem Umstand zusammen, dass dialektal nicht nur Vollformen, sondern auch klitische Formen der Personalpronomen existieren, deren Subjektspronomen der 2. Person spezifische Eigenschaften haben, die sie von Klitika der gesprochenen Standardsprache unterscheiden (vgl. Bayer 1984: 230; Weiß 1998: 87; Fuß 2004: 5960). In Bezug auf die mündliche Kommunikation im Standarddeutschen be- schreibt Johannes Schwitalla die Abschwächung des enklitischen Vokals im Pronomen du als einen von mehreren Typen von Reduktionsformen in gespro- chener Sprache: 1. die Apokope des unbetonten [Ə] am Wortende: ich sag, ich mein, ich wollt; 2. die Apokope des [t] nach Frikativ: nich, er is; 3. die Synkope einer Endsilbe mit einem Schwa [Ə]: sie warn, sie fingn, sie sind gekommn; 4. die Verkürzung und Assimilation der Endsilbe -ben zu [m]: haben → [ham], -den zu [n]: laden → [la:n] und -gen zu [ŋ]: wegen → [ve:ŋ]; 5. die Abschwächung des enklitischen Vokals [ʊ] zu [Ə] in Verben der 2. Pers.: kriegste, haste, willste. (Schwitalla 2003: 39) In den bairischen Dialekten ist diese in Punkt 5 genannte enklitische Realisie- rung des Personalpronomens besonders stark ausgeprägt: Hier findet sich pa- rallel zum Paradigma der Vollformen jenes der Klitika, wie nachfolgende Tabel- le nach Bayer (1984) veranschaulicht:
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Jugendkommunikation und Dialekt Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Titel
Jugendkommunikation und Dialekt
Untertitel
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Autor
Melanie Lenzhofer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-050330-2
Abmessungen
14.8 x 22.0 cm
Seiten
502
Kategorie
Geographie, Land und Leute
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