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396 | Empirische Analysen
Pronomens in Pronominalphrasen der 2. Person Singular in den Blick genom-
men und dessen formale und funktionale Eigenschaften analysiert.
Die Realisierung des referentiellen Personalpronomens in Konstruktionen
der 2.Pers.Sg. erwies sich im Rahmen der Form-Funktions-Analyse – v.a. in
Bezug auf die dialektal geprägten Teilkorpora JD und ED – als äußerst variabler
Phänomenbereich. Neben der Nullrealisierung sind auch die enklitische und die
Vollrealisierung in den Korpora JD und ED in Verberst-, Verbzweit- und in Verb-
letztsätzen häufig belegt. Hinsichtlich der Verbtypen konnte eine besonders
hohe Frequenz v.a. beim Kognitionsverb wissen und den (deontisch gebrauch-
ten) Modalverben festgestellt werden.
Die in Kapitel 4.4.2.1. formulierte Hypothese, derzufolge der im SĂĽdbairi-
schen mögliche Pronomen-Wegfall im Zusammenspiel mit der in anderen Phä-
nomenbereichen (vgl. Kapitel 4.4.1. und 4.4.3.) belegten Tendenz zur Kompakt-
heit bei den jugendlichen Proband/-innen eine höhere Frequenz von Pro-Drop-
Belegen in Teilkorpus JD im Vergleich zu den Teilkorpora ED und GF erwarten
lässt, kann als bestätigt angesehen werden: In Teilkorpus JD wurde ein signifi-
kant höheres Vorkommen der phonetisch leeren Nullrealisierung nachgewie-
sen. Allerdings sei hier nochmals auf die regionale Distribuierung der drei Vari-
anten der Pronomenrealisierung hingewiesen. Es zeigte sich, dass die standard-
konforme Vollrealisierung in Teilkorpus JD v.a. in den in Lienz und den Ge-
meinden des Lienzer Talbodens aufgezeichneten Jugendkommunikaten häufig
belegt ist. Unter dem Aspekt eines regionalen Ausgleichsprozesses472, infolge
dessen Sprachteilnehmer/-innen ruraler Gemeinden sich sprachlich immer
stärker an die nächstgelegenen – urbaneren – Gemeinden annähern, könnte
eine zukĂĽnftig anstehende Zunahme der Vollrealisierung des Personalprono-
mens in den ländlicheren Gemeinden vermutet werden. In Bezug auf den mo-
mentanen Sprachgebrauch in Osttirol bleibt jedoch vorerst festzuhalten, dass
das Nicht-Realisieren des referentiellen Pronomens in Konstruktionen der
2.Pers.Sg. im Rahmen der Osttiroler Freizeitkommunikation als jugendpräferen-
tieller Marker angesehen werden kann.
Wie sich das häufige Vorkommen des Pronomenwegfalls in den dialektal
geprägten Korpora JD und ED im Allgemeinen sowie das signifikant häufigere
Auftreten in der Osttiroler Jugendkommunikation im Speziellen begrĂĽnden
lässt, wurde unter Bezugnahme auf sprachhistorische, informationsstrukturell-
prosodische und pragmatische Aspekte beleuchtet. Von zwei Basis-
Beschränkungen ausgehend (nur wenn das Personalpronomen nicht rhema-
||
472 Zur Rolle urbaner Zentren in Bezug auf die Standardisierung von Dialekten vgl. u.a. Kall-
meyer (1994: 1112) und Dittmar (1997: 194).
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Buch Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol"
Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Titel
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Untertitel
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Autor
- Melanie Lenzhofer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Abmessungen
- 14.8 x 22.0 cm
- Seiten
- 502
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute