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Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums - Europäische Museumskultur um 1800, Band 2
Seite - 510 -
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510 Bickendorf Marco Lastris L’Etruria pittrice IV. Lastris „sichtbare Geschichte der Kunst“ und seine „oculare ispezione“ der toskanischen Malerei reflektierten nicht zuletzt die Verschiebungen in den Florentiner Sammlungen wie auch die damit verbundenen Konflikte. Indem Lastri die mittelalterlichen Miniaturen dekontextualisierte und – zumindest visuell – in den als „Kunst“ definierten Raum einer Malereigeschichte einrückte, vervollständigte er den Ortswechsel und Funktionsverlust der Manuskripte. Großherzog Pietro Leopoldo hatte zuvor eine Reihe von Kirchen und Klöstern zur Herausgabe ihrer Prachthandschriften gezwungen. Dazu gehörte auch die Biblia di Santa Maria del Fiore, die Lastri prominent an den Beginn seiner visuellen Ge- schichte der toskanischen Malerei stellte. 1778 hatte Lastris Freund Angelo Maria Bandini die illuminierten Manuskripte aus der Dombibliothek unter der Bezeichnung „Edili“ in den Bestand der Biblioteca Laurenziana aufgenommen. Auch dies setzte Lastri ins Bild, indem er den Lesesaal der Laurenziana in der Vignette zu seinem Begleittext darstellen ließ. (Abb. 13) In der Bibliothek war die Prachthandschrift säkularisiert, bei Lastri ihre Miniatur histo- risiert und als Kunstwerk neu kontextualisiert. Aber auch die Neuordnung der Uffizien steht erkennbar im Hintergrund von L’Etruria pittrice sowie die Differenzen zwischen Marco Lastri, Luigi Lanzi und Giuseppe Pelli Bencivenni. Lastri hatte sich selbst um den Posten von Pellis Assistenten in den Kunst- sammlungen des Großherzogs beworben, war aber nicht zum Zuge gekommen, um in den Uffizien am Original seine Vorstellung von Malereigeschichte verwirklichen zu kön- nen. Bekanntlich hatte Luigi Lanzi die Stelle erhalten. Nun reflektierte L’Etruria pittrice ein Stück weit die gleiche konzeptionelle Zerrissenheit, die Pelli und Lanzi entzweit hatte. Lanzi hatte sich nachdrücklich für eine mittelalterliche Abteilung in den Uffizien einge- setzt, scheiterte aber mit diesem Plan an Pellis Widerstand. Pelli dagegen verfolgte lange und vergeblich die Idee, die Florentiner Schule in geschlossener Form zu präsentieren. Im Medium des Buchdrucks konnte nun die lokale Schule sichtbar werden und zumindest an einigen Beispielen die „oculare ispezione“ von mittelalterlichen Werken ebenso erlauben wie diejenige der Malerei von Giotto bis zum 18. Jahrhundert. 1 Marco Lastri, Osservatore Fiorentino sugli edifizi della sua patria per servire alla storia della medesima, 3 Bde., Florenz 1776–1778, Bd. I, S. 3. Äußere Umstände zwingen mich, die Anmerkungen auf den Nachweis der Quellen zu beschränken. Ich bitte alle Forscherinnen und Forscher, deren Arbeiten hier eingegangen, aber nicht namentlich angegeben sind, um Nachsicht. 2 L’Etruria pittrice ovvero Storia della pittura toscana dedotta dai suoi monumenti che si esibiscono in stampa dal secolo X. Fino al presente, 2 Bde., Florenz 1791, 1795. Das Werk ist anonym erschienen. Marco Lastri gab sich jedoch in der Einleitung als Autor zu erkennen. 3 GALLERIA PORTATILE. DISEGNI DE‘ MIGLIORI MAESTRI ITALIANI. Capi delle quattro Scuole FIORENTINA antica; ROMANA antica; e Moderna; VENETIANA antica, LOMBARDA antica, et anco, per la benemerenza de’ Carracci Bolognesi, moderna. Quanto alle Scuole L’ ORDINE DEGL’ AUTORI sarà promiscuo: si osseruarà moralmente secondo i tempi loro. Sempre NELLA VARIATIONE DE’ TEMPI vedrai VARIETÀ DI TALENTI, E DI VALORE. Zeichnungsalbum von Sebastiano Resta, Mailand, Biblioteca Ambrosiana. 4 L’Etruria pittrice (Anm. 2), Bd. I, o. S. [S. 1]. 5 Recueil d’estampes d’après les plus beaux tableaux et d‘après les plus beaux desseins qui sont en France dans le cabinet du Roy, dans celuy de Monseigneur le Duc d’Orleans, & dans d’autres cabinets. Divisé suivant les differentes écoles; avec un abbrégé de la Vie des peintres & une Description Historique de chaque Tableau, 2 Bde., Paris 1729, 1742. 6 Jean Baptiste Louis Georges Séroux d’Agincourt, Histoire de l’Art par les monumens depuis sa décadence au IVe siècle jusqu’à son renouvellement au XVIe, 6 Bde., Paris 1810–1823. 7 Mancinis Schriften wurden zunächst in Manuskripten verbreitet, von denen sich einige in italienischen Bibliotheken erhalten haben. Gedruckt wurden seine Schriften erst im 20. Jahrhundert und unter dem gemeinsamen Titel Considerazioni sulla pittura veröffentlicht. Giulio Mancini, Considerazioni sulla pittura, hg. von Adriana Marucchi mit einem Kommentar von Luigi Salerno, 2 Bde., Rom 1956, 1957. 8 Carlo Cesare Malvasia, Le pitture di Bologna (1686), Neudruck, hg. von Andrea Emiliani, Bologna 1969, S. 3. Carlo Cesare Malvasia, Felsina Pittrice. Vite dei pittori Bolognesi (1678), hg. von Marcella Brascaglia, Bologna 1971. 9 L’Etruria pittrice (Anm. 2), o. S. [S. 4]. 10 Recueil d’estampes (Anm. 5), Bd. I, S. V. 11 Verzeichniß der Gemälde der Kaiserlich Königlichen Bilder Gallerie in Wien verfaßt von Christian von Mechel [...] nach der von ihm auf Allerhöchsten Befehl im Jahr 1781 gemachten neuen Einrichtung, Wien 1783, S. X. Abb. 13 Vignette zum Text zu Tav. I, Lesesaal der Biblioteca Laurenziana, in: Marco Lastri, L’Etruria pittrice, Bd. I, 1791
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Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums Europäische Museumskultur um 1800, Band 2
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Titel
Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums
Untertitel
Europäische Museumskultur um 1800
Band
2
Autor
Gudrun Swoboda
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79534-6
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
264
Kategorie
Kunst und Kultur
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Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums