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Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums - Europäische Museumskultur um 1800, Band 2
Seite - 513 -
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„Le musée imaginaire“ – das ‚imaginäre Museum‘: Man kennt den Begriff und verwendet ihn – vor allem seit der Verbreitung des bildfähigen Internet – in allen möglichen Kontex- ten und Bedeutungen; das Buch, bzw. die Bücher, die André Malraux unter diesem Titel und Titelanfang publiziert hat, werden heute kaum mehr wahrgenommen.1 Malraux’ me- dienästhetische Thesen verdienen jedoch noch immer Beachtung. Der Autor stellt den tra- ditionellen Museen mit ihren realen Artefakten, den Gemälden und Skulpturen, ein neues, inneres Museum gegenüber, das von den photographischen Reproduktionen genährt wird, die mit Hilfe des Buchdrucks verbreitet werden.2 Der von Malraux verwendete Be- griff des ‚imaginären Museums‘ ist zwar als Buchtitel äußerst suggestiv, gleichzeitig aber in seiner Bedeutung schwer zu fassen. Dies vor allem deshalb, weil der Ort und der Um- fang, aber auch die Existenzform dessen, was Malraux ‚imaginäres Museum‘ nennt, nicht klar bestimmbar sind.3 Der Begriff verweist auf eine imaginäre Größe, das ‚Museum im Kopf‘, über das ein fiktives Kollektiv – nennen wir es den kultivierten Europäer – dank der Rezeption des photographisch vermittelten Bilderschatzes verfügt.4 Wenn Malraux einige der von ihm herausgegebenen illustrierten Kunstbücher im Titel als „musée imaginaire“ bezeichnet, so ist dies ein uneigentlicher Gebrauch des Begriffs. Die Bücher können jedoch dadurch, dass sie die mithilfe der Photographie gewonnene Unabhängigkeit der Bilder be- züglich Ort, Kultur und Epoche belegen, als Simulationen des ‚imaginären Museums‘ in ei- nigen seiner charakteristischen Aspekte verstanden werden. Unter Malraux’ schlagwortartigem Titel verbergen sich zahlreiche interessante Befun- de und provokative Thesen. Hier zusammengefasst jene, die das Verhältnis zwischen den realen und reproduzierten Kunstwerken betreffen: • Das Museum, eine dem europäischen Kulturkreis eigene Institution, hat, weil es un- abhängig voneinander entstandene Werke für den vergleichenden Blick zusammen- bringt, zu einer Intellektualisierung der Kunst geführt. • Mit dem Siegeszug der photographischen Reproduktion hat sich der Status der Kunst verändert. Sie kann seitdem mit dem ‚Photographierbaren‘ gleichgesetzt werden. • Über die Photographie wird der Bilderschatz universell und allgemein verfügbar, dies unabhängig von den Besitzverhältnissen der Originale, aber auch befreit von ihrer Gebundenheit an den Bau (wenn es sich etwa um Mosaike oder Fresken handelt). • Das so entstandene „imaginäre Museum“ hat den Prozess der Intellektualisierung der Kunst, der bereits im realen Museum angelegt war, verstärkt. Diese Befunde und Thesen treffen im Wesentlichen zu, rufen aber nach Präzisierungen. Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich ausschließlich auf das Buch Le Musée imaginaire, das André Malraux 1947, kurz nach dem Krieg, als ersten Band der Trilogie Felix Thürlemann Von der Wand ins Buch – und zurück an die Wand NACHTRÄGLICHES ZU MALRAUX’ MUSÉE IMAGINAIRE Abb 1 André Malraux, Le Musée imaginaire, Genf 1947, Umschlag 513
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Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums Europäische Museumskultur um 1800, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums
Untertitel
Europäische Museumskultur um 1800
Band
2
Autor
Gudrun Swoboda
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79534-6
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
264
Kategorie
Kunst und Kultur
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