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Thürlemann Von der Wand ins Buch
ikonischen Blick, bei dem wir das im Bild Sichtbare nicht als Malerei, sondern als Simulation
eines Weltausschnittes oder – wenn es sich um die Darstellung einer Figur handelt – als ein
quasi-persönliches Gegenüber wahrnehmen.
Im Pendantsystem ist im Grunde der Streit zwischen den beiden großen, einander konkur-
rierenden Methodenblöcken, welche die Kunstwissenschaft bis heute prägen, bereits ange-
legt: die Trennung nämlich in Ikonographie bzw. Ikonologie einerseits und in Stilgeschichte
bzw. Kennerschaft andererseits. Doch während die Kunstwissenschaftler sich im allgemeinen
im Verlaufe ihrer Karriere für den einen oder anderen Zugang entscheiden, sind wir vor
einer nach dem Pendantsystem organisierten Wand aufgefordert, abwechselnd beide Rollen
zu spielen, jene des kritischen Kenners und jene des literarisch gebildeten Sinnsuchers. Ge-
genüber einer traditionell gehängten Bilderwand sind wir Wölfflin und Panofsky zugleich.
Abb. 8
Maria Cosway, Wand im Pariser Musée
Central des Arts in der Hängung von
Léon Dufourny, 1801
Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums
Europäische Museumskultur um 1800, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums
- Untertitel
- Europäische Museumskultur um 1800
- Band
- 2
- Autor
- Gudrun Swoboda
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79534-6
- Abmessungen
- 24.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 264
- Kategorie
- Kunst und Kultur